Death Note

Wie kam ich eigentlich zu Anime?

Anime? Was ist das? Sind das nicht diese animierten Serien aus China? Dieses komisch gezeichnete Kinderzeug, in denen Leute immer große Kulleraugen haben? Nein, das ist nichts für mich, bleib mir bloß fern damit.

Ja, ich gebe es zu. So oder so ähnlich dachte ich vor etwa eineinhalb Jahren noch über das Medium Anime. Geprägt von Vorurteilen und gestraft durch mein kaum vorhandenes Wissen über die japanische Kultur, war ich mehr als nur abgeneigt von allem, was mit Anime zu tun hatte. In der Retrospektive betrachtet kann ich nicht sagen, was ich an meinem damaligen „Ich“ erschreckender finde: Die Tatsache, dass ich mir ein derartig oberflächliches Urteil über ein Medium gebildet habe, ohne mich davor mit wenigstens einem Vertreter dieses Mediums auseinandergesetzt zu haben oder meinen kindischen Unwillen, den beschränkten Horizont zu erweitern.

Tatsächlich kannte ich damals, bevor ich meine erste richtige Begegnung mit einem Anime hatte, entsetzlich wenige Werke aus dem japanischen Kulturraum. Mein Wissen im Bereich Anime beschränkte sich lediglich auf ein paar Filme, die ich in meiner Kindheit gesehen hatte. Darunter befanden sich unter anderem Chihiros Reise ins Zauberland, Mein Nachbar Totoro und Pom Poko. Diese hatten mich als Kind leider mehr verängstigt, als begeistert. Aus meiner jetzigen Sicht ist das nicht unverständlich, zumal Anime primär für eine ältere Zielgruppe ausgelegt sind und in der Regel eher abschreckend auf Kinder wirken.
So verwundert es nicht, dass ich bereits als Kind wenig Interesse an Anime an den Tag gelegt hatte. Selbst den bekannten Klassikern wie Dragon Ball oder One Piece ging ich gekonnt aus dem Weg. Und mit Serien wie Pokémon konnte man mich jagen.

Besonders missfallen hat mir der gewöhnungsbedürftige, billig wirkende Zeichenstil und die nervigen, völlig überzogenen Charaktere.
Auch die ungewöhnlichen Storys ließen mich verwirrt und ratlos zurück, da sie so gar nicht mit dem vergleichbar waren, was ich damals als Kind gerne geschaut hatte.
Man könnte sagen, dass ich als kleiner Dreikäsehoch völlig von den japanischen Zeichentrickserien überfordert war. Und daraus resultierte schließlich mein jahrelanges Desinteresse an Anime und allem, was damit zu tun hatte.

So sah also mein Bild von Anime aus. Etwas anderes habe ich nie mit Anime assoziiert. Und obwohl mir durchaus bewusst war, dass ich zu wenige Anime gesehen hatte, um mir diesbezüglich ein faires Urteil zu bilden, hatte ich seit jeher mulmige Gedanken an diese komischen Kinderfilme im Kopf, die mir nicht mal als Kind ein müdes Lächeln entlocken konnten.

Leider dauerte es sehr, sehr lange, bis sich mein Bild über Anime endlich gewandelt hat. Denn eines schicksalhaften Tages sah ich meinen ersten „richtigen“ Anime. Einen Anime, der mein Leben verändern sollte. Einen Anime, den ich mir allein deshalb anschaute, da ich von mehreren Seiten (besonders durch das Internet) viel Positives über ihn gehört hatte. Einen Anime, dessen Titel eine unheimliche Faszination auf mich ausgeübt hat. Einen Anime, in den ich keine hohen Erwartungen gesetzt hatte, dem ich aber trotzdem eine Chance geben wollte. Um ehrlich zu sein war der Hauptgrund dafür lediglich, dass ich „etwas Neues“ ausprobieren wollte. Und zufälligerweise gab es von besagtem Anime alle Folgen in Deutsch auf YouTube.
Der Anime, von dem ich rede, heißt Elfen Lied.

Elfen Lied
© AV Visionen

Ach ja, Elfen Lied. Wir alle kennen und lieben diese Serie. Vermutlich bin ich nicht der Einzige, der durch Elfen Lied seine Liebe zu Anime entdeckt hat.
Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich voller Skepsis die erste Folge begann. Ich weiß noch, als wäre es gestern gewesen, wie verstört ich von dem hohen Anteil an Splatter war, aber welche Faszination gleichzeitig der Charakter von Lucy auf mich ausübte.
Ich weiß noch, wie mich die Story ab der zweiten Folge gepackt hat. Ab diesem Zeitpunkt war ich hoffnungslos gefangen in der Welt von Elfen Lied und konnte mich dem unheimlichen Sog der dramatischen Geschichte nicht mehr entziehen.
Ich war wie gebannt von der wunderschönen und traurigen Erzählung. Jedes mal, wenn die wundervollen Klänge des Openings meine Ohren umgarnten, war ich völlig verzaubert. Und jedes mal, wenn die nächste Folge mit einem spannenden Cliffhanger endete, konnte ich an nichts anderes mehr denken, als an diese Serie und die beinahe mystische Faszination, die sie in mir auslöste.
Und ich weiß auch noch, wie mich das Ende der Serie emotional fertiggemacht hat und wie ich tagelang, versunken in tiefer Melancholie, über das Gesehene nachgrübelte.

Nach diesem eindringlichen Erlebnis hatte ich Lust auf mehr bekommen. Ich durchforstete ganz YouTube nach Rankings der besten Anime und versuchte mich auch anderweitig über empfehlenswerte Exemplare kundig zu machen.
Mein Wissen wuchs schnell, genauso schnell erblühte auch meine Liebe für diese japanischen Serien. Und so dauerte es nicht lange, bis ich mit Death Note meinen zweiten Anime sah. Und wieder war ich begeistert und überwältigt von dem packenden Plot, den Charakteren, den Animationen und der Musik.

Darauf folgten dann Btooom! und Attack on Titan und später kamen noch bekannte Vertreter, wie Fullmetal Alchemist: Brotherhood und Neon Genesis Evangelion hinzu.
Und ich hatte immer noch nicht genug…

Fullmetal Alchemist: Brotherhood
© KSM

Es verging Monat um Monat und ich durchlief die Metamorphose zu einem vollwertigen Animefan mit allem, was dazu gehörte.

Mittlerweile schaue ich mir fast alles an. Ob alt oder neu, ob lang oder kurz, ob Action oder Drama, ob Shônen oder Seinen. Das Medium Anime ist schließlich breit gefächert und jede einzelne Facette birgt ihre eigenen Vorzüge. Das sollte man zu schätzen wissen. Und keinesfalls sollte man sich rein aus Prinzip vor etwas verschließen, wenn man es nicht vorher selbst ausgetestet hat. Das weiß ich jetzt. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und bin glücklich, dass ich letztendlich, trotz vieler Umwege, den richtigen Weg gefunden habe.

Anime haben mich bis zum jetzigen Zeitpunkt geprägt. Und sie werden mich sicherlich auch in der Zukunft noch prägen. Man könnte zu Recht behaupten, dass diese Serien mein Leben verändert haben. In positiver Hinsicht natürlich.
Und somit bleibt abschließend noch zu sagen: Ich bin ein Animefan. Und das ist auch gut so.

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