Die stillen Botschaften Hayao Miyazakis

Nachdem einer der begabtesten und erfolgreichsten Regisseure bzw. Zeichner der Neuzeit den Pinsel beiseite gelegt hat und am 5. Jänner 2016 seinen 75. Geburtstag feierte, ist es wohl an der Zeit seinem Werk ein würdiges Lob auszusprechen und die symbolischen Hintergründe näher zu betrachten. Achtung, Spoilerwarnung, für die unter euch, die seine Filme (noch) nicht gesehen haben.

Es dürfte nun schon 10 Jahre her sein, dass Hayao Miyazaki meine Aufmerksamkeit erregte. Dafür sorgte mein optisches Gespür, welches nicht selten Produkte für mich aussucht. Das mag so manchem ziemlich oberflächlich erscheinen, jedoch darf man nicht vergessen, dass die äußere Hülle nicht nur täuschen, sondern auch den Inhalt des Produkts gekonnt vermitteln soll. In diesem Fall kaufte ich eine VHS, die mich nachhaltig beeinflussen sollte.

Ist es die Faszination für Zeichentrick oder sind es die lieblich, fantasievollen ausgearbeiteten Geschichten, welche meist von starken Frauenfiguren geleitet werden, die meine Liebe zu den Anime-Filmen wachsen ließen?

In Harmonie mit der Natur

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© Universum Film

Bei der oben genannten VHS handelte es sich um den Film Prinzessin Mononoke, weshalb ich auch mit diesem Film beginnen möchte.

Heilige Orte, die im Herzen dichter, mystischer Wälder zu finden sind, sind ein häufig verwendetes Motiv sowie die Verwendung japanischer Legenden und Märchen, die meist eine tiefe Verbundenheit der Menschen mit altertümlichen Sitten, Bräuchen und der Natur aufzeigen.

Wilde Berggeister wurden als Herrscher aller Tiere verehrt und auch derDidarabocchi, hier als der Nachtwandler und sagenhafte Hirschgott Shinigami(wörtl. Übersetzung “Todesgott”) verkörpert, der am Morgen und des abends seine Gestalt wandelt, hat in diesen Sagen seinen Ursprung. Unter seinen Schritten sprießen und verdorren sekundenschnell Gräser und Blumen. Dies könnte man als ein endloses Erwachen und Vergehen der Natur sehen, ein Symbol für den Tod und die Wiedergeburt.

Auch die Kodama (übersetzt “Echo” bzw. “Baumgeist”) entspringen einigen japanischen Volksliedern und sind mit der Aufgabe, über den Wald zu wachen, betraut. Sie sind die Seelen der Bäume. Sollte also der Wald sterben, sterben sie mit ihm. Ihre Erscheinung in Prinzessin Mononoke entsprang einzig und allein Miyazakis Geist und lehnt sich an keine überlieferten Darstellungen an.

Die alte japanische Volksreligion des Shintoismus liefert zahlreiche Anknüpfungspunkte für die in Prinzessin Mononoke dargestellten Vorgänge. Ein Kernpunkt des Shintoismus ist die Existenz des Göttlichen in allen Dingen. So haben auch Gegenstände, Tiere und Bäume diesem Glauben zufolge eine Seele:

„In Japan glauben wir seit tausenden von Jahren, dass die Kami (Götter) und die Rei (Geister) überall sind: in Flüssen, in jedem einzelnen Baum, in jedem Haus und jeder Küche.“ – Hayao Miyazaki

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© Universum Film

„You cannot alter your fate. However, you can rise to meet it.“ – Zitat aus dem Film

Die symbolischen Gesichtspunkte schaffen ein harmonisches Gesamtbild des Filmes, der neben der Hauptbotschaft auch Miyazakis idealistische Sichtweise transportiert:

Durch seine Filme, die oft als „Öko-Märchen“ bezeichnet werden, versucht uns Miyazaki seine Lebensphilosophie, die eng mit der japanischen Religion und Tradition verbunden ist, näher zu bringen: in Einklang mit der Natur zu leben. Der Konflikt zwischen Natur und Kultur ist ein essenzieller Bestandteil seiner Filme und auch hier eine wichtige Komponente. Die entzauberte oder zerstörte Natur regeneriert sich bis zu einem gewissen Grad. Die Menschen passen sich ihr an. Die Unterwerfung der Natur scheint ein Mittel der Selbstbefreiung für sie zu sein.

Laut Miyazakis eigener Aussage fühlte er sich nach den Dreharbeiten zu Prinzessin Mononoke nicht mehr in der Lage, einen Film zu drehen, ohne die Problematik des Menschen als Teil eines Ökosystems anzusprechen.

Willkommen im Badehaus

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© Universum Film

Auch Miyazakis wohl bekanntestes Werk, welches sogar mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, Chihiros Reise ins Zauberland, birgt Geheimnisse.

Die Geschichte, die das Mädchen Chihiro in diesem Film erlebt befasst sich mit gemeinschaftswichtigen Themen unserer Zeit. Die endlose Gier der Menschen ist dabei eine wichtige Komponente: Die Menschen, die in der “Geisterstadt” wohnen sind nur auf ihr eigenes Wohl bedacht, andere Gesichtspunkte in Bezug auf ihre Mitmenschen kümmern sie nicht.

Der primäre Schauplatz der Geisterstadt ist das Badehaus, wo neben Göttern auch Hexen, Zauberer und andere höhere Gestalten ein wohligen Bad nehmen möchten:

„Der Ausgangspunkt des Films ist zu zeigen, dass Götter und Geister ins Badehaus oder Yuya gehen, um zu entspannen. Ich habe tatsächlich klare Erinnerungen an Yuyas aus meiner Kindheit. In einem dieser Bäder habe ich mein erstes westlich inspiriertes Gemälde gesehen.“

„Als ich klein war, bemerkte ich auch eine winzige Tür im Hauptbadebereich eines Yuya. Einige Nächte lang verfolgte mich die Vorstellung, was sich hinter dieser Tür wohl verbergen könnte. Lange Zeit wollte ich einen Film machen, der dieses Mysterium aufdeckt. Ich machte das Thema interessanter, indem ich Götter in den Mittelpunkt der Intrige stellte. Ich unterstelle einmal, dass japanische volkstümliche Gottheiten sich im warmen Wasser stärken müssen, ehe sie zur Arbeit gehen, wie Geschäftsmänner. Natürlich würden sie alle gerne ein bisschen länger im Badehaus verweilen, aber wenn das Wochenende vorbei ist, müssen sie raus. Ich stelle mir vor, dass die Götter heutzutage schwer beschäftigt sind.“ – Hayao Miyazaki

Als das Ohngesicht, ein göttliches Wesen, auftaucht und wahllos Gold und Nahrungsmittel an die Badehausgäste und an die dortigen Arbeiter verteilt, beginnt das Schlamassel. Das Bild der Völlerei ist gezeichnet. Das Laster der Gesellschaft wird hervorgekehrt und den daraus resultierenden Tunnelblick der Menschen nutzt das Ohngesicht aus.

„Mir gefiel die Vorstellung von diesem umherwandernden Gott, der kein Zuhause hat und kein Fundament in der japanischen Tradition. In Wirklichkeit repräsentiert Kaonashi das heutige Japan. Viele Menschen glauben, dass Geld sie glücklich machen kann. Aber macht Kaonashi die Leute glücklich, wenn er ihnen Geld schenkt? Interessant war die öffentliche Meinung über diese Figur. Einige dachten, Ohngesicht sei eine Mutter. Andere sahen ihn als Vaterfigur. Ein kleiner Junge schrieb mir, dass es ihn sehr traurig mache, dass Ohngesicht kein Zuhause hat und dass er vor Freude weinte, als Chihiro ihm erlaubte, sie auf der Zugfahrt zu begleiten.“ – Hayao Miyazaki im Interview

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© Universum Film

„Once you’ve met someone you never really forget them. It just takes a while for your memories for return.“ – Zitat aus dem Film

Auch der ewige Kampf zwischen Gut und Böse ist ein bestimmender Faktor. Die Leiterin des Badehauses, Yubaba, wirkt auf den Zuschauer nicht als die böse, listige Hexe. Sie verspürt tiefe Liebe für ihr Baby und bietet jedem Fragenden, unabhängig seines Charakters und seiner Erscheinung einen Arbeitsvertrag in ihrem Haus an. In der Gesellschaft werden Menschen anhand ihres Auftretens bemessen. Yubaba versinnbildlicht für mich die Gerissenheit und Gier der Menschen, die aus der Abhängigkeit des gesellschaftlichen Systems einen Vorteil zu schlagen wissen. Auch wenn einige Punkte für die Bösartigkeit ihres Charakters sprechen, muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass sie es gänzlich ist, denn Miyazakis Welt ist selten bis nie schwarz/weiß.

Die letzte entscheidende Note ist die Wandlung zum Erwachsenenalter. Chihiro ist ein verlorenes Kind in einer fremden Welt, welches noch nicht viel vom realen Diesseits gesehen hat. Aufgrund der entstehenden Schwierigkeiten wird sie dazu gezwungen Verantwortung zu übernehmen und sich in der vorherrschenden Situation zu recht zu finden. Sie repräsentiert die Unschuld des Kindes, das auf die harte Tour zum Erwachsenen reifen und lernen muss, dass viele Verpflichtungen von ihr zu tragen sind.

Die Welt ist im Wandel

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@ Universum Film

Die Macht der Liebe ist im folgenden Film das stärkste Leitmotiv und deshalb für viele der eintretenden Ereignisse in der Geschichte verantwortlich.

Das wandelnde Schloss ist neben Nausicaä – Prinzessin aus dem Tal der Winde mein Favorit unter den Werken Miyazakis.

Protagonist Hauro ist ein Magier, der von der Zauberei nahezu besessen ist. Schon im Kindesalter opfert er sein eigenes Herz für magische Kräfte. Dies kommt in Form eines Vertrages mit einem Dämon zustande.

Die Hexe aus dem Niemandsland, vor allem für ihre herzlose und rücksichtslose Art bekannt, hegt den sehnlichen Wunsch Hauros Aufmerksamkeit zu erlangen und überdies hinaus auch seine Liebe. Im späteren Verlauf des Filmes, nimmt sie aufgrund ihres heimlichen Wunsches Hauros Herz an sich, muss sich aber letztendlich eingestehen, dass sie nur glücklich ist, wenn auch Hauro dieses Gefühl erleben kann. Sie übergibt daher das Herz in Sophies Hände, da es aufgrund ihrer beider Liebe mehr Verwendung findet. Diese selbstlose Haltung der Hexe repräsentiert das Handeln, welches Liebe hervorbringen kann.

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© Universum Film

„A heart is a heavy burden.“ – Zitat aus dem Film

Hauro versteckt seine abscheuliche Vogelgestalt, die Hexe aus dem Niemandsland verjüngt sich mithilfe ihrer Zauberkräfte stetig und Sophie ist natürlich (zuerst) beunruhigt, als sie feststellen muss, dass sie sich in eine alte Frau verwandelt hat, – er übt Kritik an der Gesellschaft.

Kirsten Penkalla schreibt folgendes dazu:

„Im Laufe des Films lernen die Figuren, was es heißt zu lernen, sich selbst zu akzeptieren. Hauro wollte nie erwachsen werden und versteckt sich vor seinen Pflichten als Magier hinter verschiedenen Pseudonymen. Er ist anfangs sehr oberflächlich und stolz auf sein gutes Aussehen. Sophie auf der anderen Seite wirkt sehr erwachsen für ihr Alter, jedoch führt sie ihr Leben so, wie es von ihr erwartet wird und nicht, wie sie es gerne möchte. Sie ist sehr unzufrieden mit ihrem Aussehen und trägt deshalb unauffällige Kleidung. Sophie ist daher sogar eigentlich ganz froh, eine alte Frau zu sein, da sie so niemandem mehr gefallen muss. Während Sophie bei Hauro arbeitet, kann sie ihm mit der Zeit näher bringen, dass es wichtig ist für seine Taten einzustehen und sich selbst zu behaupten. Dabei lernt sie selbst was es heißt, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und die eigene Schönheit zu erkennen.“

Neben der der Liebe ist die wohl stärkste Botschaft Miyazakis Anitkriegshaltung. Die Magier des Landes werden für den aufkommenden Krieg rekrutiert, allerdings offenbart sich ihnen dessen Grund nicht. Das Schloss ist das Zentrum des Tornados, es herrscht Windstille. Wenn wir allerdings die Figuren außerhalb des Schlosses folgen, so wird uns der fortschreitende Krieg ungeschönt vor Augen geführt. Die romantische Kulisse, wird zerstört und entwickelt sich zum Kriegsschauplatz. Die Bilder der brennenden Stadt sind schockierend und hinterfragen die Leistungen der Industrialisierung.

Dazu ist anzumerken, dass wir selbst bei Kriegsszenarien eine klare Trennung zwischen „richtig“ und „falsch“ in Miyazakis Filmen finden. Sein eigenes Schamgefühl für seine privilegierte und sichere Kindheit im zweiten Weltkrieg steht hiermit wahrscheinlich im Zusammenhang.

Mein pelziger Freund von nebenan

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© Universum Film

„Trees and people used to be good friends.“ – Zitat aus dem Film

Die Coming-of-Age-Reise von zwei jungen Schwestern ist zwar nicht so dramatisch, wie die Tod und Leben -Themen der früheren Filme, allerdings nicht minder interessant. Die Konfliktsituation ist hier nicht außen, sondern innen zu finden, genauer gesagt familiär. So hat dieser Film eine einzigartige Fähigkeit, die andere Werke Miyazakis nicht besitzen: Er ruft uns die schönen Erinnerungen unserer Kindheit ins Gedächtnis und appelliert an unserer inneres Kind, welches wir im Erwachsenenalter viel zu selten hervorheben.

Die zwei Mädchen werden mit einer kranken Mutter und mit einem oft abstinenten Vater konfrontiert, was dazu führt, dass sie zunehmend isoliert leben. Die neue Heimat hält Neues für sie bereit, natürlich auch Gefahren. Die beiden Schwestern sind tapfer und entdecken ihre neue Heimat mit großer Neugierde und Optimismus, wie Kinder eben sind. Totoro repräsentiert den Wald, welcher der neue Rückzugsort der Mädchen wird. Dort in Obhut Totoros fühlen sie sich sicher und finden obendrein einen neuen Spielgefährten. Der Rest der Welt scheint zu schmerzhaft, nicht greifbar und ist somit für die jungen Menschen zu verarbeiten nicht möglich. So ist der Wald ein willkommener Zufluchtsort. Sie finden so etwas wie Geborgenheit, welche ihnen ihre Familie im Moment nur selten bieten kann.

Totoros Figur steht stellvertretend für den Wald und versinnbildlicht die Sichtweise Miyazakis, der bekanntlich den Wald als einen magischen, traumhaften Ort betrachtet. Die Grenzen von Realität und Fantasie verschwimmen dabei unentwegt.

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© Universum Film

Eine stark im Netz verbreitete Theorie ist jene, dass die Geschichte von Mein Nachbar Totoro einige Parallelen zu einem in Jahre 1963 in Japan verübten Gewalt-Verbrechen, das als “Sayama Incident” bekannt ist, aufweist. Die Hinweise gehen sogar soweit, dass manche Theoretiker behaupten, sie wäre mehr als das.

Die Shinigami (wörtl. Übersetzung “Todesgott”, sinngemäß Todesengel oder auch Todesgeist) sind beispielsweise Vorbilder für Totoro und andere Gestalten des Filmes und die Namen der Schwestern stellen eine Verbindung zum Zeitpunkt des Verbrechens her. Die Theorie weißt tatsächlich reichlich interessante Hinweise auf und liefert obendrein plausible Erklärungen, weshalb ich dieser meinen Glauben schenken möchte. Hier könnt ihr den Artikel lesen, welcher alles rund um diese Fan-Fiction schön zusammenfasst.

Studio Ghibli weist natürlich alle Vorwürfe zur Verbindung mit dem Verbrechen zurück. Durchaus legitim, wie ich finde. Immerhin ist die Figur von Totoro im Logo des Studios integriert, weshalb sie einen Zusammenhang mit einer Entführung trotz eventuellem Wahrheitsgehalt sicherlich nie zugeben würden.

Nach der Apokalypse

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© Universum Film

Miyazaki hat sich in der Vergangenheit oft als großer, aber feinfühliger Kritiker der modernen Gesellschaft dargestellt, was sich nicht nur in seinen Aussagen, sondern auch seinen Filmen deutlich widerspiegelt. Krieg und Umweltzerstörung sind wiederkehrende Themen in vielen seiner Werke, wie wir bereits auch schon in Prinzessin Mononoke beobachten konnten. Dabei wird meistens auf eine klare „Gut“ und „Böse“ Einteilung verzichtet, da Miyazaki selbst ein solches Schwarz-Weiß -Denken zuwider ist. Die Wechselwirkung der Reifezeit der Menschheit und der Veränderung der Natur um sie herum rückt stattdessen kritisch in den Mittelpunkt und wird von den verschiedenen Perspektiven aus thematisiert. Auch im sozusagen ersten Werk, welches seine idealistische Weltansicht sichtlich als “stiller Botschafter” prägte, sind Ansätze dafür zu entdecken.

Wir finden uns an der Seite eines tapferen Mädchens in einer zerstörten, bedrohlichen Umwelt wieder. Aufgrund menschlichen Verschuldens leben die Überlebenden in einer postapokalyptischen Zeit, wo sich statt blühenden Wäldern nun das Meer der Fäulnis über die Welt erstreckt. Die der Natur verbundene Prinzessin Nausicaä stellt auf einer ihrer Erkundungen allerdings fest, dass die verkommene Natur sich wider Erwarten begonnen hat selbst und zu heilen. Es gilt die frohe, hoffnungsvolle Botschaft zu verkünden. Diese kommt aber aufgrund eines aufkommenden Krieges nie an. Ungewollt wird sie in die Geschehnisse verwickelt und führt eine alte Prophezeiung zur Erfüllung.

Die nachts von Brandbomben verursachten Feuer erinnern wieder an Kriegsschauplätze der Nachkriegszeit, diesmal allerdings aus Sicht der Natur.

„Sie kann den Wind lesen wie ein Buch.“ – Zitat aus dem Film

Nausicaä – Prinzessin aus dem Tal der Winde ist für die Entstehung der wiederkehrenden sozialen und dramatischen Themen des Regisseurs mit verantwortlich. Der Menschheit zweiter Ansatz zur Umweltbewegung, und das Gefühl des unabwendbaren Schicksals sind verwertete Ideen und Eindrücke, die auch wieder in späteren Werken (u.a. Prinzessin Mononoke) zurück kehren. Die noch neu gefestigten Botschaften waren aber nie reiner als in ihrer Ursprungsform. Die damals noch junge idealistische japanische Animation wird zur Vision für viele folgende Werke Miyazakis.

Diese Entwicklung bestaune ich immer wieder nur zu gerne, weshalb das sozusagen Erstwerk Miyazakis als Regisseur zu meinen liebsten seiner Fantasiegeschichten wurde.

Für die Nachwelt

Mit viel Liebe zum Detail entführt uns Miyazaki immer wieder aufs Neue in seine einzigartigen, kunterbunten, abenteuerlichen, schrägen und verblüffenden Fantasiewelten. Seine filmischen Werke waren wegweisend in der Entwicklung einer vollkommen neuen Ästhetik, die einerseits in Richtung Manga, die eine ganze Jugendkultur beeinflusste, und andererseits in Richtung einer Verschmelzung von fernöstlicher und europäischer Kultur, ging.

Da Miyazaki seine Botschaften in filmischer Form zwischen den Zeilen vermittelt und darüber hinaus ein breites Publikum aller Altersschichten anspricht, sind seine Filme für uns nicht nur optische Leckerbissen, denn hinter den spannenden Geschichten verbirgt sich etwas, das weit über einfache Unterhaltung hinausgeht. Er bringt nicht nur Kinder-, sondern auch Erwachsenenaugen zum Staunen. Miyazaki befindet sich dabei nicht nur als Erzähler auf dem Höhepunkt seiner Kunst, sondern zumeist auch als Zeichner. Die Animation der Menschen und Tiere ist geschmeidig, lieblich und von zarter Eleganz.

„Meine Werke zwingen den Menschen keine simple Botschaft auf. Sobald ein Film im Kino läuft, gehört er den Zuschauern. Wenn ich als Regisseur glaubte, die Welt verändern zu können, wäre das vermessen. Aber natürlich will ich durch meine Filme auch eigene Zukunftsängste überwinden. Dabei handelt es sich um eine widersprüchliche Empfindung – die Menschen sind hässlich, aber das Leben ist schön.“ –Hayao Miyazaki im Interview mit dem Spiegel


Hayao Miyazaki ist eine lebende Legende und seine Filme sind für mich einfach pure Magie. Sie erwärmen mein Herz, verleiten mich regelmäßig zum Träumen und sind sichtlich mit viel Liebe und Leidenschaft entstanden. Auch wenn wir wahrscheinlich nie wieder in den Genuss von solch anmutigen Fantasieerlebnissen aus seiner Feder kommen werden, so sind seine Filme ein Statement zur zukünftigen Entwicklung der Welt und definitiv ein Vermächtnis, dass das Filmuniversum noch lange prägen wird.

So lege ich auch Nicht-Animeliebhabern seine Werke ans Herz, denn ich versichere euch ihr werdet sie sicherlich zumindest sehenswert finden.

Quellenangabe:  berliner-zeitung.de, prezi.com, digitalvd.de, gameblog.ch, lib.latrobe.edu.au, comicbox.co.jp, culturshock.de;

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4 Kommentare zu “Die stillen Botschaften Hayao Miyazakis”

    1. Hat schon etwas Mystisches an sich, dass man gerne entdecken möchte. Die Rußmännchen finde ich immer noch faszinierend. vor allem auch ihr Futter. Sind übrigens auch in „Mein Nachbar Totoro“ zu finden, fand ich ganz witzig 😉

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  1. Wooow – was für ein schöner, langer Artikel mit soviel Herzblut und Zitaten. Gefällt mir sehr gut. Da stecken ja viele der ganz großen Motive drin, derer sich die Ghibli-Filme annehmen, allen voran Hayao Miyazakis „Lieblingsmotive“.
    Das ist auch genau das, was ich an Ghibli-Filmen so magisch finde. Hinter allem steckt ein Gedanke, eine Intention – aber die Kernaussage wird einem nie mit der Keule entgegengeschleudert. Manchmal frage ich mich, ob westliche Filmemacher und Schmieden wie Pixar und Co. überhaupt auch nur annähernd so akribisch und gleichzeitig liebevoll ihre Botschaft verarbeiten,

    Gefällt 1 Person

  2. Vielen Dank, Miss Booleana!
    Es war auch nicht wenig Arbeit, aber hat Spaß gemacht.

    Ich glaube Pixar- bzw. Disney-Filme vermitteln meist die selben Aussagen, wie zuletzt „Zoomania“. Trotzdem sind auch diese Filme für alle Generationen geeignet. Die Herangehensweise ist definitiv anders, aber ich glaube nicht wirklich vergleichbar 😉

    P.S. Wenn du Ghibli-Liebhaber bist, lege ich dir auch meinen Artikel über „Nausicaä“ ans Herz. Gefällt dir vielleicht auch!

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