BLAME! und seine Adaption

BLAME! und seine Adaption

Manchmal müssen wir Jahre warten, bis ein geliebtes Stück Literatur filmisch adaptiert und auf die Leinwände und Fernseher dieser Welt losgelassen wird. Der Cyberpunk-Manga BLAME! ist wie prädestiniert davor, seine abgründige Atmosphäre endlich auch in bewegten Bildern zu verbreiten und doch scheint er gleichzeitg unverfilmbar zu sein.

Die sich über 10 Bände und rund 2000 Seiten erstreckende Geschichte von Tsutomu Nihei ist ein moderner Klassiker, wenn man an düstere Science-Fiction und experimentelles Erzählen im Manga denkt. In einer fernen Zukunft, in der nichts anders zu existieren scheint, als die im wahrsten Sinne des Wortes exorbitante Megastruktur, die wie eine Dyson-Sphäre unser Sonnensystem umschließt, begibt sich Killy auf die Suche nach menschlichen Genen, um eine Verbindung zur Netzwerksphäre zu schaffen, dem globalen Kommunikations- und Steuerungsmedium. In einer von Maschinenwesen und Mutanten bevölkerten Welt, die sich bereits seit 3000 Jahren ohne die Möglichkeit menschlichen Eingreifens immer weiter ausdehnt, bekommt er es mit den tödlichen Maschinen der Schutzwehr zu tun, während er sich seinen Weg durch die Überreste menschlicher Zivilisation immer weiter nach oben kämpft.

Wortkarg, geheimnisvoll, trist und brutal sind passende Adjektive für Niheis einzigartiges Werk, dessen Plot man sich erarbeiten muss. Dafür wird der Leser mit einer unheimlich dichten Atmosphäre belohnt, die natürlich vor allem aus dem starken Setting resultiert. Die unvorstellbaren Ausmaße der kybernetischen Welt mit ihren kolossalen Konstrukteureinheiten, die der Struktur unaufhörlich weitere Kilometer in sämtliche Richtungen hinzufügen, lässt die Signifikanz des Einzelnen beängstigend gering erscheinen. Menschenfeindlich und aussichtslos. Doch mit Killy und seiner durchschlagskräftigen Molekülschockwellenwaffe existiert wenigstens ein Fünkchen Hoffnung, sich der fast gottgleichen, monolithischen Macht der Maschinen zu stellen.

BLAME! und seine Adaption
BLAME! (© Egmont Manga Anime)

Kein Wunder also, dass die Faszination an diesem Cyberpunkkoloss auch die Sehnsucht nach einer Animeadaption hervorruft. Doch Niheis Perfektionismus steht dem Projekt im Weg. Vielleicht ist das schlecht, vielleicht aber auch ganz gut so, denn die bisherigen Versuche konnten immer nur in Ansätzen überzeugend die Atmosphäre von BLAME! einfangen.

Der Manga erschien von 1997 bis 2003. Zum Abschluss wurden als Bonus sechs kurze Episoden à 5 Minuten animiert, die einige ausgewählte Plot Points visualisieren, aber nicht unabhängig vom Manga eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Sie sollten eher als kleiner Zusatz verstanden werden, der die Stimmung der Vorlage in bewegten Bildern zu erzeugen versucht. Ein Blick auf die erste Miniepisode gibt einen guten Eindruck von dem wieder, was einen erwartet:

Vier Jahre später wagte man sich an einen weiteren Versuch, BLAME! zu animieren, wenn auch nicht als vollständige Animeserie, denn dafür gibt der bisher nicht überzeugte Nihei bis heute kein grünes Licht, sondern in Form eines kurzen Videos, dass gezeichnete Hintergründe, aber dreidimensionale CGI-Modelle für die Charaktere verwendet. Ersteres sieht durchaus passabel aus, letzteres leidet aber am niedrigen Budget dieser Miniproduktion:

Inzwischen wurde zumindest ein anderer Manga Niheis adaptiert, Knights Of Sidonia, und amüsanterweise in der zweiten Staffel ein kurzer fiktiver BLAME!-Film gezeigt, der innerhalb der Serie als quasi als Anime im Anime konzipiert ist. Die Reaktionen fielen begeistert aus, denn das verantwortliche Studio Polygon Pictures fängt bisher am besten die Atmosphäre der Mangavorlage ein:

Und nun scheint sich das lange Warten gelohnt zu haben! Rund 19 Jahre nach Release des ersten Manga-Bandes wurde Ende 2015 tatsächlich eine Verfilmung von BLAME! angekündigt. Dank der positiven Resonanz ist also erneut Polygon Pictures an einer Nihei-Adaption beteiligt. Ein Releasetermin steht jedoch noch nicht fest. Da bleibt nur: Abwarten und sich darauf freuen, endlich gemeinsam mit Killy in die finstere Maschinenwelt der Megastruktur vorzudringen.

BLAME! und seine Adaption
BLAME! (© Egmont Manga Anime)
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