Battle Royale mit Bomben in BTOOOM!

Btooom! ist das Äquivalent zu Battle Royale – nur beschränkt auf Bomben.

This is where tomorrow brings a new game.
It’s time to learn that pain is gain ready FIGHT!

„EXIST“ – nano

Ryouta Sakamoto ist das, was man im Internet als einen NEET bezeichnet: Not in Education, Employment or Training. Statt sein Leben auf die Reihe zu bekommen und sich nach einem Job umzusehen, vertreibt er sich seine Freizeit lieber mit dem weltweit boomenden Internetspiel Btooom! in dem es darum geht, seine Gegner mittels Gebrauch unterschiedlichster Bombentypen zur Strecke zu bringen. Ausgestattet ist dabei jeder Charakter zusätzlich mit einem Radar, um feindliche Spieler aufzustöbern. Schnell mausert er sich zum besten Spieler in Japan. Doch eines Tages wacht Ryouta auf und findet sich auf einer Insel wieder. In seiner Bauchtasche befinden sich Bomben und auf seinem Handrücken ist ein kleines Radargerät eingelassen…

Mit 12 Folgen findet diese Serie genau die richtige Länge, um eine fetzige und schnelle Geschichte, wie sie BTOOOM! mit seiner Prämisse ankündigt, durchzuziehen. Genug Zeit um etwaiges psychologisches Potential zu entfalten, ohne sich mit Fillerepisoden aufhalten zu müssen. Die Geschichte erzählt dabei in keinster Weise etwas neues: Wieder geht es um Virtual Reality, wenn auch nicht im selben Maße wie etwa im .hack Franchise oder in Sword Art Online. Wieder dreht sich alles um einen Player vs. Player Plot und dennoch gelingt es BTOOOM! einige andere Wege einzuschlagen, als es die üblichen Verdächtigen tun.

Spannend wird dieses Spiel auf Leben und Tod dann, wenn alle Handlungen aufs eigene Überleben abzielen. Ryouta, der auf der isolierten und recht überschaubaren Insel ohne Erinnerungen aufwacht, muss sich erst einmal zusammenreimen, was überhaupt passiert ist und was die Tasche neben ihm für einen Zweck erfüllen wird. So dauert es gar nicht lange, bis es zur ersten Konfrontation kommt und er am eigenen Leib erfahren wird, wie brutal und tödlich dieses Spiel werden wird. So beschäftigt sich BTOOOM! viel mit der Frage nach der Psyche eines Menschen, der dem Tod ständig ins Auge blickt. Ein Ausweg aus der Situation wird nicht ersichtlich, und aufgrund des isolierten Eiland-Charakters entsteht rasch eine paranoide Stimmung unter den (unfreiwilligen) Teilnehmern der Real Life-Variante des MMORPGs. Sollen Bündnisse eingegangen werden, oder läuft man gerade dann Gefahr, von den Mitstreitern verraten zu werden? Wäre es besser, sich allein durch das Gestrüpp der Insel zu schlagen? Fragen über Fragen, die clever in die Handlung eingebunden werden und für ein spannendes Geflecht aus Vertrauen und Misstrauen sorgen, mit der Angst der Figuren spielen und bis zum bitteren Ende alles offen lassen.

Leider bleibt es jedoch nur bei diesem Potential, denn über gekonnte Ansätze hinaus entwickelt sich der Plot zu einer weitestgehend platten Ansammlung von Klischees und vorhersehbaren Twists und Turns, welche die gelungenen Ideen meist im Keim ersticken. So wird die eingeführte Mitspielerin Himiko über weite Strecken als sexualisiertes junges Ding präsentiert, der es zunächst an Schlagkraft mangelt und die ganz klar in die Opferrolle gesteckt wird. Zwar ist es irgendwo verständlich, wenn nicht jeder Charakter mit übermäßig starken Fähigkeiten ausgestattet wird und die Serie somit psychologische Abgründe in Konflikt mit anderen Figuren erkunden kann; bescheuert wird es aber genau dann, wenn sich auch narrativ an dieser übersexualisierten Rolle gehalten und diese noch dazu ausgiebig visualisiert werden muss. Gerade wenn Btooom! seine Trümpfe ausspielen will, stürzt sich dieser Seinen-Anime in pubertäre Gefilde, was nicht nur dröge wird, sondern auf Dauer äußerst langweilig. Fanservice hätte es in diesem Format wahrlich nicht gebraucht, gerade wenn es sich um den erwachsenen Seinen-Charakter bemüht und dort grundsätzlich vielversprechende Themenkomplexe streift.

Die Anime-Adaption des gleichnamigen Manga Btooom! von Mangaka Junya Inoue hätte durchaus mehr aus seinen Ansätzen machen können, wenn nicht sogar müssen. Diese bieten so viele Möglichkeiten, dass es schade ist, wie sich diese den weitestgehend plumpen Storywendungen und dem Fanservice unterordnen müssen. Dennoch bietet dieser explosive Knaller anständig viel Unterhaltung, wirft durchaus tiefgreifende Fragen auf und bietet mit den 12 Folgen genau die richtige Laufzeit, um die ansprechende Geschichte in gehobenem Tempo vorzutragen. Die lichtspielerische Optik darf darüber hinaus lobend erwähnt werden.

Advertisements

4 Kommentare zu „Battle Royale mit Bomben in BTOOOM!“

  1. Ach ja, lang ist’s her. „Btooom!“ gehörte damals mit zu den ersten Anime, die ich wirklich aktiv geschaut habe und hat mich deswegen natürlich irgendwo geprägt.
    Aus der Retrospektive betrachtet, haben es die Macher mit dem Fanservice gewatig übertrieben und die psychologischen Facetten des Anime konnten, aufgrund der zu schnell abgehetzten Story und des abrupten Endes, nicht voll zur Geltung kommen.
    Aber das Opening von Nano hat es echt in sich und sowohl die sauberen Animationen, als auch die detaillierten Zeichnungen sind bei mir in guter Erinnerung zurückgeblieben.

    Alles in allem ein gutes Teil, obwohl das volle Potenzial leider nie ausgeschöpft wurde und viel mehr drin gewesen wäre.

    Gefällt 1 Person

    1. Ach, er hatte schon seine gelungenen Momente, auch psychologisch. Das Ende war in der Tat gehetzt, aber ausformuliert hätte es nicht werden dürfen. War mMn also auch wieder okay so. Und hey, Nostalgie macht (fast) alles besser. Verstehe ich. Habe da auch ein, zwei Vertreter… 😉
      Das OP ist cool, wobei mir das 2. von der finalen Folge nochmal mehr gefiel. Auch von der Musik her. Aber ja, ich habe mich immer dabei ertappt, wie ich alles beiseite geschoben habe, um das OP nicht zu verpassen *lach*
      Die Zeichnungen waren beinahe durchgehend hochwertig, hatten ein zwei kleine Einbrüche. Was sie aber durch die wunderbaren Animationen und vor allem wirklich dem Einsatz von Licht wieder wettmachen konnten.
      Alles in allem bleibt es ein sehenswertes Teil. Abgesehen hiervon: https://infernalcinematicaffairs.files.wordpress.com/2016/05/tumblr_o29c47iova1sprzgyo1_500.gif?w=300&h=139 I mean… c’mon…

      Aber der Badguy… hachja. der war klasse! https://infernalcinematicaffairs.files.wordpress.com/2016/05/tumblr_mfeg6mruce1rrzsf6o1_500.gif?w=425&h=243

      Gefällt 1 Person

  2. Das Ende wirkte irgendwie unvollständig. Meines Wissens nach geht die Geschichte im Manga auch weiter und wurde im Anime nicht fertig umgesetzt. Das offene Ende hat durchaus seine Vorzüge, aber gleichermaßen würde es mich interessieren, wie die Geschichte weitergeht und wer am Ende das „Spiel“ gewinnt und überlebt.

    Naja, zumindest ist das Ende akzeptabel und nicht so ein Dreck, wie in „Deadman Wonderland“. Da endet die letzte Folge einfach mit einem mega Cliffhanger und die Story entwickelt sich gerade in eine interessante Richtung und dann…Schluss. Aus. Ende. Es geht einfach nicht mehr weiter.
    Mir ist es sowieso schleierhaft, wie man überhaupt eine Serie erschaffen kann, nur um sie am Ende nicht fortzusetzen, aber wenn man dann auch noch so ein fieses Ende reindrückt, anstatt wenigstens das zu retten, was noch zu retten ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter…

    Beim zweiten Opening sind mir zu viele Szenen aus dem Ersten übernommen worden. Die sollen sich gefälligst was neues ausdenken, wenn sie schon für nur eine(!) einzige Folge ein seperates Opening entwerfen. Außerdem ist „No pain, no game“ eingängiger.

    Die Szene mit der Granate ist echt lächerlich. In geregeltem Maße ist Fanservice noch okay, finde ich, aber das ist kaum mehr verschmerzbar. Ich weiß auch nicht, was sich überhaupt die Leute dabei gedacht haben, als sie das animierten. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie irgendjemand diese Szene für eine gute Idee halten konnte. 🙂

    Mich hat dieses sadistische Psycho-Kind am meisten abgefuckt. War auch einer der interessantesten Charaktere. Schade, dass der Kleine insgesamt nur wenig Screentime bekommen hat.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s