Dragon Ball: Unterschiede zwischen Manga und Anime

Basiert ein Anime auf einem Manga, so erwarten die Fans dieses Originals meist eine möglichst getreue Umsetzung des Ur-Materials. Dass dies allerdings nicht immer geschieht und Vorlage sowie Adaption gerne mal voneinander abweichen können, möchte ich an dieser Stelle am Beispiel der Dragon Ball-Saga zeigen.

Akira Toriyamas Erfolgs-Manga Dragon Ball zählt zu meinen persönlichen All Time-Favorites. Mit all seinen spannenden Abenteuern und sympathischen Figuren konnte mich besonders der Manga schnell für sich gewinnen, doch auch der Anime gehört noch immer zu meinen absoluten Lieblings-Serien. Wie der Manga von Toei Animation umgesetzt wurde, gefiel mir wirklich gut, doch es gibt einige Abweichungen, die mir im Laufe des Anime auf die eine oder andere Art aufgefallen sind und genau um einige dieser Abweichungen soll es nun auch gehen.

Abweichung #1: Filler

Dragon Ball Z - Fahrschule
Goku und Piccolo in der Fahrschule

Dies sind natürlich die offensichtlichsten Abweichungen von der Vorlage, denn gerade bei solch erfolgreichen und langlebigen Animes wie Dragon Ball lassen sich Filler nicht vermeiden. Hierbei handelt es sich um Episoden, die nie im Manga vorkamen und somit speziell für den Anime angefertigt wurden. Im seltensten Fall, etwa wie bei Gokus Vater Bardock, werden Elemente aus solchen Episoden in die Vorlage integriert. Meist werden diese Filler genutzt, um schlicht und ergreifend Zeit zu schinden, damit der Anime den Manga nicht überholt. Ein besonders prominentes Beispiel für dieses Zeit schinden ist die finale Konfrontation zwischen Goku und Freezer auf dem Planeten Namek. Nachdem Freezer den Kern des Planeten vernichtete, blieben den beiden Kontrahenten noch lediglich 5 Minuten, um der Explosion Nameks zu entkommen. Was sich im Manga über mehrere Kapitel erstreckte, veranschlagte im Anime über drei Stunden und ist bis heute der längste Kampf in einem Anime.

Ich bin absolut kein Fan von Filler-Episoden in Animes, denn in den meisten Fällen bemerkt man, besonders als Kenner der Vorlage, einen gewaltigen Qualitätsunterschied zwischen Füllmaterial und Original-Geschichte. Obwohl Dragon Ball Z bis heute zu meinen Lieblings-Animes gehört, so gingen mir die elendig langen Kämpfe und somit die quälend langen Filler immer auf die Nerven. Die einzige Ausnahme bildet hierbei die berühmte Episode, in der Chi-Chi Goku und Piccolo zur Fahrschule verdonnert, damit beide ihren Führerschein machen. Bis heute eine meiner Lieblings-Episoden 😀

Abweichung #2: Nacktheit

Dragon Ball - Nacktheit
Muten Roshi fallen gleich die Augen heraus

Besonders in den frühen Abenteuern von Goku gab es einige Szenen, in denen besonders Bulma oft nackt dargestellt wurde. Erst mit der Zeit änderte sich dies und Toriyama gestand Bulma innerhalb der Geschichte eine deutlich ernstere und gewichtigere Rolle zu. Im Anime hingegen wurden diese Szenen, im Vergleich zum Manga, deutlich zurückgefahren. Entweder wurden diese Momente verkürzt dargestellt oder aus anderen Perspektiven inszeniert, um möglichen Protesten zu entgehen. In einigen Ländern, beispielsweise auch in Deutschland, fielen diese Szenen gerne der Schere zum Opfer, da Dragon Ball (Anime) als Kinderserie vermarktet wurde. Die Änderungen fallen, meiner Meinung nach, in diesem Fall nicht allzu schwer ins Gewicht, doch den einen oder anderen Fan der Vorlage, der besonders viel Wert auf Nähe zum Original legt, könnte dies sauer aufstoßen.

Abweichung #3: Finger

Dragon Ball - Cell
Cell: Vergleich zwischen Manga und Anime

Die Anzahl der Finger mancher Figuren wurde für den Anime ebenfalls abgeändert. Piccolo besitzt im Manga eigentlich vier Finger, Cell in seiner ersten Form drei und der Dämon Boo sogar nur zwei Finger beziehungsweise einen Daumen und eine große Fläche anstelle der restlichen vier Finger. In Dragon Ball Z besitzen jedoch all diese Figuren fünf Finger an jeder Hand. Diese Änderung wurde vermutlich vorgenommen, da in Japan viele Menschen in Fabriken arbeiten. Unfälle in diesen Betrieben sind nicht unbedingt selten und so verlieren manche Angestellte dort auch einen Finger. Dies wird von den Betroffenen Personen meist verborgen, verrät es anderen Leuten doch, zu welcher Klasse sie gehören. Um, im übertragenen Sinne, niemandem auf die Füße zu treten wurden vermutlich diese Änderungen vorgenommen. Wie bei der Nacktheit, so ist auch dies eine Änderung, an der sich die meisten Zuschauer vermutlich nicht stören werden, denn dies dürfte nur denjenigen auffallen, die mit dem Manga vertraut sind.

Abweichung #4: Gewalt

Dragon Ball - Manga Gewalt
Dr. Gero (C20) ermordet einen Zivilisten

Dragon Ball assoziieren viele sicherlich mit harten und blutigen Kämpfen; ein Stück weit sicherlich auch zurecht, bietet Akira Toriyamas Saga doch einige der besten Kämpfe im Anime-Bereich. Seit Dragon Ball Z Kai (DBK) ausgestrahlt wurde oder spätestens seit dem Start von Dragon Ball Super (DBS) wird Toei Animation vorgeworfen, die Gewalt und Brutalität des Anime zu reduzieren, denn sowohl in den überarbeiteten als auch den neuen Abenteuern wurde die Gewaltdarstellung merklich entschärft. Sicherlich kommen DBK und DBS wesentlich zahmer daher als es noch DBZ damals tat. Dies liegt daran, dass sich in den vergangenen Jahren in Japan die Vorgaben für solche Formate änderten und das Studio somit reagieren musste. Was viele Fans entweder nicht wissen oder gerne verdrängen ist, dass auch Dragon Ball Z zensiert wurde, da der Gewaltgrad im Manga deutlich höher war. Die oben abgebildete Szene steht exemplarisch für die brutalen Momente, die es nicht oder nur in einer entschärften Form in den Anime schafften. In den vielen Kämpfen verloren nicht wenige der Z-Kämpfer, genauso wie mancher Gegner, einige Extremitäten oder gar ihr Leben. Die Blutmenge wurde in den meisten Szenen des Anime deutlich reduziert und auch die Verletzungen selbst entschärfte das Studio in späteren Versionen. Bei der obigen Szene setzte sich sogar Toriyama persönlich dafür ein, dass diese Szene nicht im Anime erscheinen wird, da er sie für zu brutal hielt.

Der angepasste beziehungsweise entschärfte Gewaltgrad stößt vielen Fans, so auch mir, oft ziemlich unangenehm auf. Kämpfe müssen nicht blutig und brutal sein, um auch gut zu sein, doch der Gore-Faktor im Dragon Ball-Manga unterstrich in den Kämpfen stets die Dramatik der Kämpfe und dass es nicht selten um Leben und Tod ging. In Deutschland fielen nicht wenige dieser brutalen Szenen der Zensur zum Opfer, doch es war bei Dragon Ball Z noch gerade so verkraftbar, wenn man sich im direkten Vergleich Dragon Ball GT betrachtet. Bei diesem Anime wurden nicht nur einige Szenen gestrichen, sondern gleich ganze Episoden, doch dies ist ein anderes Thema, für einen anderen Artikel. Die, im Vergleich zum Manga, reduzierte Gewalt ist, wie weiter oben bereits gesagt, ärgerlich und dürfte nicht nur Fans der Vorlage an manchen Stellen sauer aufstoßen.

Abweichung #5: Geschichte

Dragon Ball - Manga Future Trunks hält Gohan
Future Trunks trauert um Gohan

Die Abschwächung der Gewaltdarstellung ist eine Sache, doch ganz anders sieht es aus, wenn das Studio in den Verlauf der Handlung eines Anime eingreift und somit teils deutlich von der Vorlage abweicht. Dies geschah an einigen Stellen bei Dragon Ball Z und das mal im größeren und mal im kleineren Maßstab. An manchen Stellen, etwa gegen Ende von DBZ beim Kampf zwischen Vegeto und Boo oder auch Goku gegen Kid Boo gibt es kleinere Abweichungen vom Manga. Nach seiner Geburt verschwendet Vegeto keine Zeit und verwandelt sich direkt in einen Super Saiyajin, um gegen Boo zu kämpfen. Im Anime verhält sich die Fusion aus Goku und Vegeta hingegen anders, denn in dieser Version kämpft er einige Zeit in seiner normalen Form gegen den Dämon, ehe er sich in einen Super Saiyajin verwandelt. Im Reich der Kaioshin kommt es einige Zeit später zum finalen Showdown zwischen Goku, Vegeta und Kid Boo. Nachdem Vegeta sich dem Feind geschlagen geben muss, springt Goku für ihn ein und verwandelt sich im Manga direkt in einen dreifachen Super Saiyajin. Im Anime kämpft Goku allerdings erstmal als zweifacher Super Saiyajin, ehe er seine mächtigste Verwandlung nutzt. Zugegeben, dies sind wieder eher kleinere Änderungen beziehungsweise Abweichungen von der Vorlage und somit dürfte dies eher Fans der Vorlage auffallen. Dass es jedoch auch Stellen gibt, in denen der Anime deutlicher vom Manga abweicht, lässt das obige Bild bereits vermuten.

DBZ gewährte dem Zuschauer in einigen Flashbacks bereits Einblicke in seine Zeit, in der die beiden Cyborgs C17 und C18 die Erde weitestgehend verwüstet haben. Einen ausführlicheren Blick in diese dystopische Zukunft gab es dann im TV-Special Dragon Ball Z Special: Die Geschichte von Trunks, welches uns zeigt, wie die Z-Krieger im Kampf gegen die Cyborgs fielen. Nur Gohan und Trunks sind noch übrig, um die Erde zu verteidigen, doch all ihr Training nützt nichts, denn selbst zu zweit haben sie keine Chance gegen den übermächtigen Feind. Erschwerend kommt hinzu, dass Trunks noch nicht in der Lage ist, sich in einen Super Saiyajin zu verwandeln und ein Super Saiyajin reicht nicht aus, selbst wenn er so stark und erfahren ist wie Gohan. In einer finalen Konfrontation opfert sich Gohan schließlich für seinen Freund und Schüler, was zur obigen Szene führt. Trauer und Zorn überwältigen Trunks, weshalb er sich endlich in einen Super Saiyajin verwandeln kann. Mit einer Zeitmaschine, die seine Mutter Bulma baute, reist Trunks zurück in die Vergangenheit, um eine bessere Zukunft zu erschaffen. Im Manga verliefen die Ereignisse hingegen ein wenig anders. Trunks war schon vor Gohans Tod in der Lage, sich in einen Super Saiyajin zu verwandeln, doch man merkte einen deutlichen Unterschied ihrer beider Kräfte, denn Gohan war selbst in seiner normalen Form stärker als Trunks nach seiner Verwandlung. Ein weiterer Unterschied ist, dass Gohan bereits zu Beginn dieses großen Flashbacks einen Arm im Kampf gegen die Cyborgs verloren hatte. Im TV-Special passierte dies erst nach einem Kampf zwischen Gohan, Trunks und den Cyborgs. Wie im Anime war auch im Manga der Tod Gohans ein zentraler Punkt der Handlung, denn Trunks musste schmerzlich erkennen, dass er nicht stark genug war, um jemanden beschützen zu können und sein bester Freund bezahlte dafür mit seinem Leben. Diese Unterschiede fügen sich zwar recht gut ins große Ganze ein, machen sie diese Momente doch noch dramatischer und, im Falle von Gohans Opfer sowie Trunks Verwandlung, ergreifender als im Manga, doch dies sind, zumindest für mich, Unterschiede, die mir ziemlich sauer aufstießen. Im Nachhinein (und mit einem etwas größeren zeitlichen Abstand) erscheinen diese Änderungen durchdacht und einleuchtend, doch als Fan des Manga konnte ich früher nicht anders, als mit dem Kopf zu schütteln, da Toei Animation doch ziemlich stark von der Vorlage abwich.

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