Digimon Adventure tri. – Ein Wiedersehen mit alten Freunden

Digimon Adventure tri. – Ein Wiedersehen mit alten Freunden

Vergangenes Jahr kehrte neben Dragon Ball noch eine weitere Lieblings-Serie meiner Kindheit zurück: Digimon. Der Anime, der damals bei uns auf RTL II lief, feierte 2015 sein 15 jähriges Jubiläum und um diesen Anlass zu feiern, kündigte Toei Animation eine sechsteilige Film-Reihe an.

Der erste Teil mit dem Titel Digimon Adventure tri. – Chapter 1: Saikai (deutsch: Wiedersehen) lief im November letzten Jahres in den japanischen Kinos an und setzt die Ereignisse der ersten beiden Digimon-Staffeln (Adventure 01, Adventure 02) fort.

Seit dem Ende der ersten Staffel sind mittlerweile sechs Jahre vergangen und die Digiritter leben in ihrer Welt ein normales Leben. Die meisten Hauptcharaktere gehen zur Highschool und müssen sich langsam damit auseinandersetzen, was sie nach ihrem Abschluss tun wollen. Einzig Tai scheint sich darüber noch recht wenig Gedanken gemacht zu haben, denn während beispielsweise Matt mit seiner neuen Band fleißig Konzerte gibt oder Joe sich eifrig auf die Aufnahmeprüfung für die Universität vorbereitet, so verbringt Tai seine Zeit lieber mit Fußballspielen und dem Schwelgen in Erinnerungen an ihre gemeinsamen Abenteuer in jenem Sommer vor sechs Jahren.

Aus dieser unbeschwerten Atmosphäre wird Tai jedoch schnell herausgerissen, als plötzlich ein Kuwagamon in Tokio erscheint und eine Schneise der Verwüstung durch die Stadt zieht. Tai heftet sich an die Fersen des Digimons, um herauszufinden, was sein Ziel ist. Kuwagamon bemerkt jedoch recht schnell seinen Verfolger und geht auf Tai los. Kurz bevor das Digimon ihn trifft leuchtet sein Digivice auf und ein alter Freund erscheint vor ihm: Sein Agumon.

Nach dem Kampf zwischen Greymon und Kuwagamon werden die Digiritter von jemandem angesprochen, der in ihrer Schule arbeitet und der ihnen offenbart, dass in letzter Zeit vermehrt infizierte Digimon in der Menschenwelt auftauchten und Chaos stifteten. Tai und seine Freunde beschließen sich zu beraten und dem neuen Gegner entschlossen gegenüberzutreten, doch schnell merken sie, wie schwierig dies sein kann, wenn man nicht weiß, wer der neue Gegner wirklich ist und welche Ziele er verfolgt.

Mitten in die Wirren dieses neuen Konflikts stolpern mit Meiko (auch Meimei genannt) und Meicoomon ein weiterer Digiritter und ihr Partner. Meiko ist anfangs noch sehr schüchtern und tut sich schwer damit, ihren Platz in der eingespielten Gruppe zu finden, doch sie wird herzlich aufgenommen und geht langsam mehr und mehr aus sich heraus, wodurch sie sich mit der Zeit gut in das Team einfügt. Als mit Ogremon, das in der Digiwelt die Stadt des ewigen Anfangs verwüstete, in Digimon Adventure tri. – Chapter 2: Ketsui (deutsch: Bestimmung) ein alter Bekannter in der Menschenwelt auftaucht und dort für große Schäden sorgt, müssen die Digiritter sich erneut beweisen, unwissend, dass im Hintergrund jemand sein ganz eigenes Spiel spielt. Tai und die anderen sind fassungslos, als sich diese Person als Digimon Kaiser herausstellt, der es auf Meicoomon abgesehen hat.

Ein Wiedersehen mit alten Freunden:

Tais Brille und Digivice
Tais Brille und Digivice © Toei Animation

Digimon Adventure zählte früher zu meinen persönlichen Lieblings-Animes und auch heute noch sind mir die Figuren sowie die Abenteuer, die sie erlebten, in sehr guter Erinnerung geblieben. Als ich vergangenes Jahr nochmal die ersten beiden Staffeln ansah, kam schnell eine gewisse Wiedersehensfreude auf, denn die Digiwelt und die Abenteuer der Digiritter haben auch nach all den Jahren ihren Charme nicht verloren. Und genau hier setzt nun also Digimon Adventure tri. an, das bei mir dieselben Emotionen weckt, wie es damals die ersten zwei Staffeln taten. Es ist wirklich schön, diese liebgewonnenen Figuren nach so langer Zeit wiederzusehen und zu ergründen, was sich seit ihren damaligen Abenteuern alles getan hat. Besonders schön empfand ich in diesem Zusammenhang Momente, in denen ihr ganz normaler Alltag oder ihre Freizeit gezeigt wurden. So begleitet man Tai und seine Freunde etwa in eine Badeanstalt oder auf ein Schulfest. Diese Momente sind für den Fortgang der eigentlichen Geschichte zwar ziemlich irrelevant, doch es macht Spaß, sie so unbeschwert zu erleben.

Wie schon die ersten beiden Staffeln, so gibt sich auch Adventure tri. im Grunde sehr bodenständig, was seine Welt betrifft. Es gibt natürlich wieder lustige Szenen, besonders wenn Joe berichtet, dass er nun eine Freundin hat oder Leomon den Babysitter für die anderen Digimon spielen darf, doch das Drama und die Probleme der Charaktere stehen deutlich im Vordergrund. Besonders im Vergleich zur, damals wie heute, heiteren und positiveren Konkurrenz (Pokémon), gibt sich Digimon für eine Kinderserie seit jeher reifer und erwachsener. Natürlich werden Werte wie Liebe, Freundschaft und Loyalität behandelt, doch die Macher des Anime scheuten sich schon damals nicht, den Zuschauer mit Leid und Trauer zu konfrontieren. Dies fiel mir auch beim letztmaligen Ansehen auf und ist etwas, das ich Toei Animation nach wie vor hoch anrechne.

Dieser Fokus auf die ernsten Momente merkt man Adventure tri. besonders an, wenn man sich Tai und Joe betrachtet.

Bereits im Kampf zwischen Greymon und Kuwagamon, sowie später im Kampf Omnimon gegen Alphamon, kommt es zu immensen Schäden. Straßen und Häuser werden vernichtet, Menschen könnten verletzt werden, auch wenn es bis jetzt recht glimpflich ausging. Die frühere Begeisterung für den Kampf zweier Monster ist bei Tai inzwischen der Furcht vor den Konsequenzen gewichen, die seine Taten und die seiner Freunde haben könnten. Heute, auf dem Weg zum Erwachsenen, erkennt er die Schattenseiten dieser Abenteuer, was auch seine Freunde spüren, denn ihr ehemals so furchtloser Anführer zögert und ist unsicher.

Joe hingegen ist, wie schon oft in Adventure 02, viel mit Lernen beschäftigt, denn schließlich will er sich an der Universität einschreiben. Um sein Ziel erreichen zu können, sitzt er fast den ganzen Tag an seinen Büchern und vernachlässigt dabei seine Freunde. Es scheint, als habe er seine Grenzen erreicht, denn er verzweifelt daran, dass er nicht all seine Verpflichtungen vereinen kann. So fragt er sich, warum die Dinge gerade so sind wie sie sind und wieso es ausgerechnet ihm und seinen Freunden passieren muss, dass sie erneut in den Kampf gegen dunkle Mächte hineingezogen werden. Die Antwort, die Joe in Form von Kari erklärt wird, fällt dabei erschreckend simpel aus, denn es gibt keinen Grund dafür, dass all diese Dinge genauso passieren; man müsse sich lediglich damit abfinden und arrangieren, dass es nun einmal so ist.

Ansonsten muss ich sagen, dass ich mit den ersten beiden Kapiteln von Adventure tri. einfach verdammt viel Spaß hatte. Die Serie richtet sich eindeutig an die alten Fans, die bereits vor 15 Jahren die Abenteuer der Digiritter verfolgten und nun mit ihnen zusammen älter geworden sind.

Diese gewisse Nostalgie und Freude, die man damals verspürte ist auch heute noch da und es ist schön zu sehen, dass die Figuren immer noch so sympathisch sind wie eh und je. Abgerundet wird dies von einem wunderschönen Soundtrack mit den altbekannten Melodien von Butterfly und Brave Heart, die im japanischen Original sogar von denselben Künstlern vertont wurden, die bereits am Anfang des Franchise dabei waren. Gänsehaut bei der Musik ist also für Fans garantiert 🙂

Auch was den Aufbau der Geschichte angeht, lassen sich gewisse Parallelen zu den alten Staffeln erkennen. Wie damals wird man mehr oder minder unvorbereitet ins Geschehen hineingeworfen und lernt die Figuren kennen. Eine übergeordnete Geschichte oder ein durchgehender roter Faden lassen sich anfangs nur schwerlich erkennen, doch dies wird auch heute von den liebenswürdigen Figuren gekonnt retuschiert. Erst allmählich, in diesem Fall im zweiten Kapitel, beginnt sich das große Ganze zu entfalten, wenn ein vermeintlicher Drahtzieher ins Rampenlicht tritt und, natürlich, weitere Fragen aufgeworfen werden.

Neuer Stil und neue Fragen:

Der Digimon Kaiser?
Der Digimon Kaiser? © Toei Animation

Gänzlich neue Wege beschreitet Toei Animation hingegen bei den Zeichnungen und Animationen. Der alte, recht markante Stil der Serie ist passé und an seine Stelle tritt eine moderne Optik. Die Figuren von damals erkennt man relativ schnell wieder und generell wirkt alles wie aus einem Guss. Nun ja, zumindest fast alles, denn mit zeitgemäßen Animationen geht in diesem Fall auch der Gebrauch von CGI-Elementen einher, etwa bei den Digitationen der Digimon. Diese Elemente sehen zwar nicht unbedingt schlecht aus und unterstreichen, dass wir es hier mit aus Daten bestehenden Monstern zu tun haben, doch sie wirken, besonders im Kontrast mit den schönen Zeichnungen, wie Fremdkörper, die das ansonsten so harmonisch wirkende Bild stören.

Das Pacing der Geschichte wäre ein weiterer kleiner Störfaktor, denn besonders im ersten Kapitel lässt sich Toei gefühlt etwas zu viel Zeit, um uns mit dem neuen Status Quo vertraut zu machen. Doch dies ist Meckern auf einem hohen Niveau und schmälert die Qualität dieser beiden ersten Filme nur marginal.

Bevor ich zum Ende komme noch ein paar kurze Worte zu den eben angesprochenen aufgeworfenen Fragen, die natürlich wieder einen großen Reiz ausüben, um am Ball zu bleiben 😉

Wie bereits weiter oben erwähnt (und im Bild zu sehen) erscheint gegen Ende von Ketsui eine Figur auf der Bildfläche, die optisch frappierend an den Digimon Kaiser aus Adventure 02 erinnert. In dieser Staffel versteckte sich hinter der Brille des Antagonisten Ken, der, wie T.K. und Kari, ein Digiritter ist. Da er von der Macht der Dunkelheit verdorben wurde, machte er sich einen Spaß daraus die Digiwelt zu erobern und friedliebende Digimon zu quälen. Durch das Opfer seines Partners Wormon und den Einsatz der anderen Digiritter konnte Ken schließlich seine innere Finsternis allmählich überwinden. Einige Fans spekulieren nun fleißig, dass auch hinter dem neuen Digimon Kaiser niemand anderes als Ken stecken könnte. Dies halte ich allerdings für ziemlich unwahrscheinlich, da man direkt am Anfang von Sakai sah, wie Davis, Cody, Yolei und auch Ken von einem neuen Gegner besiegt wurden. Im Finale von Ketsui verfärbt sich zudem Meikos Digivice schwarz, was auf eine Verbindung zu Meer der Dunkelheit und/oder der Macht der Dunkelheit schließen lässt. Auch Maki, eine neue Verbündete der Digiritter, scheint ganz eigene dunkle Ziele zu verfolgen, wenn man ihre Reaktion nach dem Tod einer Figur am Ende von Ketsui richtig deutet.

Es werden also wieder viele Fragen aufgeworfen, die in den kommenden Filmen hoffentlich auch zufriedenstellend beantwortet werden und auf diese Auflösungen freue ich mich schon jetzt 🙂

Nun sind wir also schon am Ende und meinem Fazit zu Adventure tri. Saikai und Ketsui angelangt:

Wie man bereits an so mancher Stelle herauslesen konnte, hatte ich wirklich eine schöne Zeit und viel Spaß mit den ersten beiden Adventure tri.-Filmen. Es fühlt sich an wie ein Wiedersehen mit guten Freunden, die man schon viel zu lange nicht mehr gesehen hat. Doch sobald man sich wiedersieht ist sofort diese alte Verbindung von damals wieder da und man freut sich auf die gemeinsame Zeit.

Toei Animation setzt hierbei ganz bewusst auf die Nostalgie-Karte, also die bereits vorhandenen Gefühle, die alte Fans von Digimon-Adventure mit diesen Figuren und ihrer Welt verbinden. Diese Rechnung geht natürlich auf, denn es gibt viele kleinere Anspielungen, dieselben sympathischen Figuren, sowie ihre interessante Welt, die sich an manchen Stellen doch mehr verändert hat, als man es vorher vermutet hätte. Dieses Vertrauen auf die alten Fans könnte man den Filmen jedoch auch als Schwäche auslegen, denn Leute, die bisher wenig mit dem Franchise zu tun hatten beziehungsweise schon damals nichts damit anfangen konnten, die werden auch von Digimon Adventure tri. nicht bekehrt werden können. Als „Neueinsteiger“ fallen besonders einige erzählerische Probleme deutlich mehr ins Gewicht und man wird es schwer haben, sich in dieser Welt ein- und zurechtzufinden.

Doch für all jene, die sich schon damals für die Abenteuer der Digiritter begeistern konnten, und zu genau diesen Leute zähle ich mich ausdrücklich, wird man auch mit den neuen Filmen eine schöne Zeit und viel Spaß haben. Wirklich schade finde ich hingegen, dass es noch solange dauert, bis im September endlich der dritte Film Digimon Adventure tri. – Chapter 3: Kohuhaku (deutsch: Überzeugung) anlaufen wird 😀

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2 Kommentare zu “Digimon Adventure tri. – Ein Wiedersehen mit alten Freunden”

  1. Ich freue mich jetzt schon, wenn ich Digimon Adventure tri. zum ersten Mal anschaue *-* Meine Lieblingsfigur war ja immer Ken^^ Und jetzt schreibst du, man sieht, wie er und die anderen aus der zweiten Staffel besiegt werden? Oh nein! Aber… ich werde mich überraschen lassen. Deine nostalgischen Gefühle kann ich sehr gut verstehen, so, wie du die ersten beiden Filme beschreibst. Und für die Neulinge, die vor 15 Jahren noch nicht dabei waren, kommen ja gerade die DVDs der ersten Staffel raus (die ich im Übrigen gerade alle schön der Reihe nach anschaue^^).
    Viele Grüße!

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    1. Wenn Du Dich bis nächstes Jahr noch gedulden können solltest, dann kannst Du die ersten drei Filme sogar bei uns im Kino bestaunen 🙂
      Ich hoffe, dass ich Dich damit jetzt nicht gespoilert habe, denn diese Szene sah man eigentlich bereits in einem der Trailer. Doch was nun wirklich mit Ken und den anderen 02-Digirittern passiert ist, wurde noch nicht enthüllt. Vielleicht passiert das ja im dritten Film ^^
      Da bist Du mir einen Schritt voraus, habe bisher leider nur die erste 01-Volume bei mir im Regal stehen, doch hoffentlich folgen bald die restlichen DVDs 😀
      Adventure tri. richtet sich, wie beispielsweise auch Dragon Ball Super, sehr an die alten Fans, die mit diesen Serien aufgewachsen sind und deshalb besondere Erinnerungen mit ihnen verbindet; also ist tri. genau das richtige für uns 😉
      Doch wer früher schon nichts mit Digimon anfangen konnte, der wird vermutlich auch von den neuen Kinofilmen nicht bekehrt werden können.
      Nächsten Monat kommt ja auch endlich der dritte Film, mal sehen, ob sich auch dazu ein Artikel einrichten lässt 🙂
      Liebe Grüße 🙂

      Gefällt 1 Person

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