Orange – Lässt sich das Schicksal wirklich verändern?

Mit Orange schickte sich in der diesjährigen Summer Season auch eine Manga-Adaption an, die Herzen der Zuschauer zu erobern. Warum die Serie mein Herz gewinnen konnte, möchte ich euch im folgenden Text erzählen.

Im Zentrum der Geschichte stehen die 16 jährige Naho sowie ihre Freunde Suwa, Takako, Azusa und Hagita, die seit langer Zeit die besten Freunde sind. Zum Beginn des neues Schuljahres kommt ein neuer Junge, Kakeru, zu ihnen in die Klasse, mit dem sie sich schnell anfreunden. So bieten sie ihm an, mit ihnen gemeinsam nach Hause zu gehen und sich schon einmal besser kennen zu lernen, obwohl sie das womöglich besser nicht getan hätten; denn am Morgen desselben Tages erhielt Naho einen Brief ihres 26 Jahre alten Ichs aus der Zukunft, in dem steht, es gäbe viele Dinge, die sie in ihrem Leben bereuen würde. Eines dieser Dinge ist es, Kakeru dazu überredet zu haben, mit ihnen gemeinsam von der Schule zurückzugehen. Als Naho den Brief weiter liest und langsam realisiert, dieser könne womöglich tatsächlich aus der Zukunft stammen, schreibt ihr zukünftiges Ich, Kakeru sei in zehn Jahren nicht mehr da und sie, die junge Naho, müsse alles daran setzen, die Zukunft zu verändern.

Von liebenswerten Charakteren und schweren Themen

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Suwa, Takako, Naho, Hagita, Azusa und Kakeru (von links)

In insgesamt 13 Episoden versuchen Naho und ihre Freunde somit alles, um Kakeru zu helfen und dafür zu sorgen, dass sie alle auch in zehn Jahren noch gemeinsam glücklich zusammen sein können. Dabei ist es schön zu sehen, dass sich die Macher, ebenso wie die Zeichnerin der Manga-Vorlage, genug Zeit nehmen, uns die einzelnen Figuren genauer vorzustellen. Jeder von ihnen hat seine ganz eigenen Stärken und Schwächen, Hoffnungen und Träume, doch alle eint das Ziel, ihren Freund Kakeru zu retten. Naho, Suwa und auch Kakeru bekommen dabei noch mehr Zeit spendiert als ihre Freunde, doch dies ergibt sich recht organisch aus der Handlung.

Besonders schön ist der Umstand, dass jeder Charakter sich entwickelt und dabei seine ganz eigenen Momente zum Strahlen zugestanden bekommt. Wenn Naho langsam beginnt, selbstbewusster zu werden und über ihren Schatten zu springen, um Kakeru nicht zu verlieren, Suwa sein eigenes Glück und seine eigene gemeinsame Zukunft mit dem Mädchen seiner Träume opfert, um einem Freund beistehen zu können und Kakeru langsam merkt, dass er die Last, die ihn mehr und mehr zu zermalmen droht, nicht alleine schultern muss, dann sind dies wunderschöne wie auch tragische Momente, deren Schwere toll vermittelt wird. Doch auch, wenn es sich nun so lesen mag, als würden die restlichen drei Mitglieder der Gruppe womöglich zu kurz kommen, so ist es schön zu sehen, dass jeder von ihnen eine ganz eigene Rolle beim Erreichen ihres Ziels spielt und sie einander somit immer beistehen. Die Charaktere, ihre Beziehungen, Gefühle und Geschichten sind es, die zur treibenden Kraft der Serie werden und einem somit schnell ans Herz wachsen; ich habe mit ihnen gelacht und mich gefreut, geweint und gemeinsam mit ihnen gelitten und dass es den Machern gelingt, diese Emotionen bei mir zu wecken, kann ich ihnen gar nicht hoch genug anrechnen.

Diese Achterbahn der Gefühle kommt ebenfalls deshalb zustande, da im Verlauf der Serie nicht nur Themen wie Freundschaft, Loyalität und Zusammenhalt aufgegriffen werden, sondern ebenso schwere Themen wie Suizid und Reue. Wie Naho aus dem Brief ihres zukünftiges Ichs erfährt, wird Kakeru bei einem Unfall ums Leben kommen, vermutlich auch deshalb, da niemand bemerkte, wie sehr ihn der Verlust einer für ihn wichtigen Person schmerzte und er so nach und nach seinen Lebenswillen verlor. Seine Trauer überspielt Kakeru mit einem aufgesetzten Grinsen, da er nicht will, dass sich seine Freunde Sorgen um ihn machen müssen, doch damit erreicht er das genaue Gegenteil. Speziell in seinen letzten Episoden schlägt Orange sehr düstere Klänge an und verdeutlicht so nicht nur, was Naho und die anderen opfern, um ihrem Freund zu helfen, sondern auch, welch eine Last Kakeru trägt, unter der er mehr und mehr zu zerbrechen droht. Naho, Suwa, Hagita, Akako und Azusa haben jedoch ebenfalls schwer daran zu tragen und versuchen alles, um ihrem Freund beizustehen, selbst wenn es nur mit ein paar tröstenden Worten oder eine Umarmung ist; ihr Zusammenhalt und ihre Freundschaft werden zu den sie antreibenden Kräften und niemand von ihnen will später irgendetwas bereuen, doch dies erscheint fast unmöglich, denn ihre Zeitlinie verändert sich immer deutlicher.

Qualitative und dramaturgische Probleme

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Kakeru und Naho

Die für die Animationen zuständigen Studios Telecom Animation Film und TMS Entertainment leisten besonders in den ersten Episoden des Anime fantastische Arbeit, obwohl ich gestehen muss, dass ich mich erst an das Design der Charaktere gewöhnen musste. Die Zeichnungen sind wunderschön gelungen und gerade angesichts ihrer hohen Qualität sowie den tollen Animationen könnte man manchmal beinahe vergessen, „nur“ eine Serie und keinen Film zu schauen. Auch der Soundtrack und die Sprecher wussten zu überzeugen; die Musik kommt meist sehr ruhig, fast etwas getragen, daher, was jedoch wiederum zu den ernsten behandelten Themen passt. Die Sprecher leisten ebenfalls hervorragende Arbeit und schaffen es, den Charakteren Leben einzuhauchen und die Zuschauer so mitfiebern zu lassen, wobei für mich Kana Hanazawa (Naho), Seiichirou Yamashita (Kakeru) sowie Makoto Furukawa (Suwa) besonder herausragten. Leider kann Orange das anfangs äußerst hohe Niveau nicht über seine gesamte Laufzeit halten, weshalb man gerade in der achten und neunten Episode einen deutlichen Abfall der Qualität, sowohl hinsichtlich der Zeichnungen als auch der Animationen, bemerkt. Dies ist vermutlich der Arbeitslast von gleich drei Animes zuzuschreiben, an denen TMS in der aktuellen Season arbeitet, doch zum Glück findet das Studio pünktlich zum Finale wieder zurück in die Spur und liefert zum Abschluss der Serie zwei wunderschön anzusehende Episoden ab. Der Abfall der Qualität ist somit zwar ungemein ärgerlich, doch angesichts des hochwertig produzierten Finales verschmerzbar. Auch bei seiner Inszenierung leistet sich Orange den ein oder anderen Fehltritt. Die Serie verströmt eine sehr ruhige und unaufgeregte Atmosphäre, was sich angesichts der behandelten Thematiken die meiste Zeit über richtig anfühlt.

Die Macher nehmen sich viel Zeit, dem Publikum die einzelnen Figuren näher zu bringen, damit man eine Verbindung zu ihnen aufbauen kann. Wie die Charaktere, so wirken nicht nur ihre persönliche Probleme und Ziele, sondern ebenso die Thematiken greifbar und vor allem nachvollziehbar. Es ist schön zu sehen, wie die junge Liebe zwischen Naho und Kakeru langsam zu blühen beginnt, doch gerade hier nehmen sich die Macher gefühlt manchmal etwas zuviel Zeit, sodass der Rhythmus von Orange etwas ins Stocken gerät. Doch wie bei den Animationen gilt, dass sich die Serie auch hier meist recht schnell wieder fängt und diese Probleme, zumindest für mich, nicht allzu schwer wiegen.

Mein kleines Fazit:

Wie der eine oder andere sicherlich schon herauslesen konnte mag ich Orange und dies ist vermutlich noch leicht untertrieben. Orange ist bisher mein persönliches Highlight des Anime-Jahres 2016 und das, obwohl mit anderen Serien, wie Digimon Adventure tri.Joker Game oder Re:Zero, hochkarätige Konkurrenz um die Gunst der Zuschauer buhlt. Doch Orange ist dabei für mich persönlich etwas ganz Besonderes, da es der Anime vermag, mich seinen Charakteren wirklich verbunden zu fühlen, mit ihnen mitzufiebern und mitzuleiden; die unaufgeregte und bodenständige Art, wie mit solch schweren Themen wie Reue, Verlust und Suizid umgegangen wird, ist toll mit anzusehen und ließ mich dermaßen viele Emotionen erleben, wie kein anderer Anime dieses Jahr. Somit sind es vor allem die charmanten wie liebenswürdigen Charaktere, die mich über so manchen Fehltritt haben hinwegsehen und die Serie genießen lassen.

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