Devil May Cry: The Animated Series – Style over Substance?

Vor neun Jahren spendierte das renommierte Studio Madhouse Teufelsjäger Dante, dem Protagonisten der beliebten Devil May Cry-Spiele, einen 12 Episoden langen Anime, doch kann dieser dem Videospiel-Klassiker gerecht werden?

Am 7. Dezember 2001 erschien das erste Devil May Cry (DMC) in Deutschland, damals noch exklusiv für Sonys PlayStation 2. Im Zentrum der Handlung steht der weißhaarige Halbdämon Dante, der als Allrounder, eine Art Söldner, allerhand verrückte Aufträge annimmt, solange diese seinen Vorstellungen genügen. Auf den Erfolg des ersten Teils folgten nicht nur vier weitere DMC-Spiele, sondern ebenfalls Projekte wie Comics, Mangas sowie ein Anime, dessen Handlung zeitlich zwischen dem Original-DMC und dem 2008 erschienenen vierten Teil der Reihe angesiedelt ist.

Dantes Geschäft Devil May Cry läuft aktuell nicht unbedingt gut, weshalb er notgedrungen jeden Auftrag seines Freundes Morisson annehmen muss, um seine Schulden zurückzahlen zu können. Als Dante den Auftrag bekommt, die kleine Patty, welche ein gewaltiges Vermögen erben soll, zur Testaments-Verlesung ihres verstorbenen Vaters zu bringen, wittert Dante das schnelle Geld; denn den Babysitter für eine verzogene Göre zu spielen, darauf hat der weißhaarige Hühne eher weniger Lust. Auf dem Weg zu ihrem Ziel werden sie jedoch von allerhand Dämonen angegriffen, die das junge Mädchen umbringen wollen. Nach diesen Geschehnissen nimmt Dante Patty bei sich auf, um sie auch in Zukunft beschützen zu können, doch schon bald sieht er sich mit weiteren, bedeutend mächtigeren Gegnern konfrontiert, von denen einige noch eine Rechnung mit seinem legendären Vater offen zu haben scheinen.

 Ein cooler Hauptcharakter und stylische Action

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Dante im Kampf mit einem Dämon © Universum Film

Someone like you who’s let his soul rot, can’t measure up to someone with a real soul just by getting some power.

Bei uns sicherte sich der Publisher Universum Anime die Rechte an der Serie, die in erster Linie durch ihre tolle Optik auf sich aufmerksam macht. Wie eingangs schon erwähnt geht der Devil May Cry-Anime auf das Konto von Madhouse, die unter anderem für Hunter x Hunter oder One-Punch Man verantwortlich zeichnen. Die gewohnte audiovisuelle Qualität, welche man mit Animes des Studios verbindet, bekommt man natürlich ebenfalls hier geboten, weshalb Devil May Cry in erster Linie durch seine hochwertige und auch heute noch sehr schöne Optik zu glänzen weiß. Die Zeichnungen sind herrlich detailliert, die Animationen jeder Zeit schön flüssig und speziell die fein animierten Kämpfe zaubern Action-Freunden immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Wenn Dante mit seinem Schwert Rebellion und seinen beiden Pistolen Ebony & Ivory damit beginnt, teils meter hohe Dämonen nach allen Regeln der Kunst zurück zur Hölle zu schicken, dann sieht das, wie in den Spielen, unverschämt stilvoll aus. Der Soundtrack, wenn auch etwas repetitiv, fügt sich sehr gut ins Geschehen ein und unterstreicht zusätzlich, dass wir es hier mit der Adaption eines Videospiels zu tun haben. Darüberhinaus kann sich ebenfalls die deutsche Synchronisation absolut hören lassen: Vor diesem Anime hätte ich mir Dante niemals mit einem deutschen Sprecher vorstellen können, zu gut und einprägsam war Reuben Langdons Arbeit in DMC 3 und DMC 4, doch Jan-David Rönfeldt erledigt einen hervorragenden Job und schafft es, Dantes Charakter Leben einzuhauchen ohne die ruhige Coolness des Teufelsjägers zu vergessen.

Apropos Dante: Sein Charakter wurde von Madhouse sehr gut eingefangen, was sicherlich auch mit der engen Zusammenarbeit zwischen dem Studio und Capcom, den Entwicklern der DMC-Spiele, zusammenhängt. Dante ist, wie in den Spielen, ein eher entspannter Zeitgenosse, der jedoch sehr zielstrebig und rabiat zur Sache geht, wenn die Situation es erfordert. Unser weißhaariger Allrounder zeigt in den zwölf Episoden zwar oft seine brutale Seite als fairer, jedoch unerbittlicher Kämpfer, gleichzeitig kommt seine menschliche Seite nicht zu kurz, was aus Dante, im Anime wie im Spiel, einen überaus sympathischen Charakter macht. Der Anime vermag es zudem, auch die andere Seite Dantes zu zeigen, die in den Spielen meist lediglich angedeutet wurde; so sehen wir ihn mal genüsslich einen Strawberry-Sunday (sein Lieblings-Eis :D) essen oder einfach nur faul die Füße hochlegen. Besonders gut gelungen empfand ich außerdem die Dynamik zwischen Dante und den übrigen Figuren des Casts, speziell der kleinen Patty; die kleinen Sticheleien zwischen den beiden sorgen für den einen oder anderen Lacher und lockern die ansonsten ziemlich düstere, an DMC 1 angelehnte Atmosphäre des Anime angenehm auf 🙂

Style over Substance?

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Dante mit Ebony und Ivory © Universum Film

Everything with a beginning also has an end that’s the rule. It may be sad,but looking all gloomy just because it’s the end isn’t my thing. Since it’s the end all the more reason to paint the town red. If you can do that then you can smile no matter how things pan out.

Leider vermag es der Anime nicht, seinem großen Vorbild in wirklich jeder Hinsicht gerecht werden zu können. Dies liegt zum einen an der ziemlich generischen und recht vorhersehbaren Geschichte. Es wird zwar bereits in der ersten Folge ein Episoden-übergreifender Handlungsbogen in Stellung gebracht, der sich im großen Finale zur Gänze entfaltet, doch leider plätschert die Geschichte ansonsten recht gemächlich vor sich hin. Wenn Dante Dämonen in ihre Einzelteile zerlegt und mal wieder einen lässigen Spruch von sich gibt, dann ist das natürlich ziemlich cool, selbiges gilt für die eine oder andere Anspielung auf eine frühe Version des Spiels sowie die Handlung des ersten DMC-Romans, allerdings können selbst diese vereinzelten Highlights die Geschichte des Anime nicht merklich nach oben ziehen. Zugegeben, die Geschichten der Spiele waren ebenfalls nie preisverdächtig, im Gegensatz zur Story der Serie wussten diese jedoch den Spieler zu packen und auf eine Reise zu entführen; etwas, das ich mir auch vom Anime gewünscht hätte, denn das Potenzial dazu wäre durchaus vorhanden gewesen.

Ein weiteres Problem hat direkt mit Dante selbst zu tun, denn obwohl er es mit einigen (angeblich) sehr starken Gegnern zu tun hat, die schon gegen seinen legendären Vater Sparda kämpften, so wirken diese Widersacher leider zu keiner Zeit wie eine wirkliche Bedrohung für den weißhaarigen Halbdämonen. Selbst die größten Dämonen werden, meist früher als später, von Dantes Waffen gefällt und sollte es dennoch mal einem Gegner gelingen, dem Protagonisten Schaden zuzufügen, dann erholt dieser sich sehr schnell wieder davon. Dante wird im Anime als schier übermächtige Kampfmaschine dargestellt, der jeden noch so mächtigen Gegner in den Staub tritt; wirklich gefordert wird er dabei jedoch nie. Nicht einmal seinen Devil Trigger, eine Fähigkeit, mit der er seine wahre Macht entfesselt, kommt zum Einsatz, was nur noch deutlicher macht, mit was für Schwächlingen sich Dante herumplagen muss. Man hört zwar, wie ungeheuer stark gerade der finale Gegner des Anime sein soll, doch wenn dieser nach gefühlt zwei Schwerthieben zusammenbricht, kann es mit seiner legendären Kraft nicht weit her sein. Womöglich wäre hier eine direkte Anbindung an die Geschichte der Spiele ratsamer gewesen, wobei man dadurch natürlich wiederum die narrativen Möglichkeiten des Anime-Studios limitiert hätte.

 Mein kleines Fazit:

Um auf die in der Überschrift formulierte Frage einzugehen: Ja, im Falle von Devil May Cry steht der Style definitiv über der inhaltlichen Substanz, doch das muss überhaupt nichts Negatives sein; man sollte lediglich wissen, worauf man sich einlässt. Wie die Videospiele, so besticht auch der Anime in erster Linie mit seiner audiovisuell hochwertigen Inszenierung sowie seinem coolen und sympathischen Hauptcharakter. Die Action ist fein animiert, blutig-brutal inszeniert und optisch einfach toll anzuschauen; wenn man also ein Freund fein gemachter Action oder ein Devil May Cry-Fan ist, dann sollte man definitiv mal einen Blick auf diesen Anime werfen. Wer hingegen tiefgreifende oder anspruchsvolle Unterhaltung erwartet, die auch im Nachhinein noch zum Nachdenken anregt, der wird mit diesem Anime vermutlich nicht glücklich werden.

Euch hat dieser Einblick ins Devil May Cry-Universum gefallen und wollt noch mehr über die Abenteuer des weißhaarigen Teufelsjägers erfahren? Dann klickt doch einfach auf den unterhalb dieser Zeilen stehenden Link 😉

Hier der Link zum großen Devil May Cry-Artikel: http://www.moviepilot.de/news/devil-may-cry-i-m-absolutely-crazy-about-it-181558

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