Digimon Adventure tri. – Ein Reboot als letzter Ausweg?

Die Digimon Adventure tri.-Kinoreihe ging nun bereits in ihre dritte Runde; es werden Fragen beantwortet, neue Fragen aufgeworfen und die Weichen für weitere Abenteuer gestellt.

In Digimon Adventure tri. – Chapter 3: Kokuhaku (deutsch: Geständnis) müssen sich die Digiritter nach den schockierenden Entwicklungen im vorherigen Film fragen, wie sie ihre Digimon vor den Auswirkungen der Infektion schützen können, um ähnliche Vorkommnisse wie mit Meicoomon zu verhindern. Izzy will deshalb die Digimon sicherheitshalber in seinem Büro behalten, wo er sie jeder Zeit im Auge behalten und notfalls eingreifen kann, sollten sich bei ihnen erste Anzeichen von Veränderungen zeigen. Als T.K. und Joe zu Besuch kommen, kommt es wie es kommen muss: Patamon scheint bereits infiziert zu sein und attackiert T.K., doch dieser behält diesen Vorfall für sich und nimmt Patamon mit zu sich nach Hause… doch die Infektion hat sich bereits ausgebreitet und ein Reboot scheint die letzte Hoffnung zur Rettung der Erde und der Digiwelt zu sein.

Von großen Emotionen…

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T.K. und Patamon

Im aktuellen Film konzentriert sich die Handlung spürbar auf Izzy und T.K., ohne sie dabei so übertrieben in den Fokus zu rücken, wie es noch beim vorherigen Film mit Mimi und Joe der Fall war. So stehen Izzy und T.K. zwar mehr oder weniger im Zentrum des Geschehens, doch die Macher haben es schön hinbekommen, auch den anderen Figuren ihre Zeit im Scheinwerferlicht zuzugestehen. T.K. muss feststellen, dass Patamon mittlerweile ebenfalls infiziert wurde, doch dies kann er seinen Freunden nicht erzählen; hieraus resultieren wirklich herzzerreißende Momente, denn es dauert nicht lange, bis auch Patamon merkt, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung zu sein scheint. Wenn Patamon sagt, es wolle niemandem wehtun und T.K. müsse ihm versprechen, es zu töten, sollte es die Kontrolle über sich verlieren, dann greifen wirklich sämtliche Facetten des Films meisterhaft ineinander: Man kann in diesen Momenten förmlich T.K.s und Patamons Schmerz fühlen und nachvollziehen, warum diese Infektion sie erneut zu zerreißen droht. Diesen Schmerz trägt T.K. beinahe den gesamten Film mit sich herum, ehe er sich dem neuen Mitglied der Gruppe, Meiko, gegenüber öffnet und ihr gesteht, dass auch sein Digimon von der Infektion befallen wurde. Als die Infektion im großen Showdown von Kokuhaku tatsächlich Patamon überwältigt und es sich gegen seine Freunde wendet, laufen die Fäden des Films hier erneut schön zusammen; gleichzeitig merkt man jedoch auch, wie T.K. im letzten Teil des Films versucht, neue Hoffnung zu schöpfen und wieder mit seinem Freund vereint zu sein. Doch neben T.K. stößt auch Izzy in diesem Film mehr und mehr an seine Grenzen. Er arbeitet unermüdlich, um eine Lösung für die Infektion zu finden, treibt seinen Körper dabei bis ans Limit und darüber hinaus, bis er vor Erschöpfung beinahe zusammenbricht. Izzy war immer das intelligenteste Mitglied der Gruppe und hatte deshalb meist schnell eine passende Lösung für ein auftauchendes Problem parat; doch diesmal scheint selbst er mit seinem Wissen am Ende zu sein und man spürt förmlich seine Frustration, welche sich mehr und mehr in Verzweiflung verwandelt. Er scheint sein Limit, physisch wie psychisch, erreicht zu haben und selbst seine Freunde können ihn nicht davon abhalten, über diese Grenzen hinauszugehen. Tentomon versucht zwar, ihm davon zu überzeugen, dass es keine Schande ist, wenn man mal etwas nicht wissen sollte, denn dies sei immerhin gleichzeitig eine Chance, etwas Neues zu lernen, doch Izzy will ihm nicht zuhören; zu schwer wiegt die Last der Verantwortung. So bemerkt Izzy nicht, dass mittlerweile auch Tentomon und die übrigen Digimon erste Anzeichen der Infektion zeigen, doch es scheint noch eine Möglichkeit zur Rettung zu geben.

…Antworten…

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Sora und Biyomon

Wie bereits in Adventure 01 und Adventure 02 kommt Kari in diesem Film erneut eine Zentrale Rolle zu. In den Vorgänger-Staffeln wurde öfters angedeutet, dass Kari ganz besonders stark von den Mächten des Lichts und der Dunkelheit angezogen wird; so auch wieder hier. Ein mächtiges Wesen, der Gott der Digiwelt, übernimmt kurzzeitig Karis Körper, um den Digimon eine Nachricht zukommen zu lassen: Die Infektion breitet sich mittlerweile immer weiter aus und verursacht nicht mehr nur Schaden auf der Erde, sondern ebenso in den anderen Welten. Sollte dieses „Virus“ nicht gestoppt werden, werde alle Elektronik auf der Erde für immer lahmgelegt und die Digiwelt sowie die restlichen Welten würden vernichtet. Doch es gibt eine Möglichkeit, das drohende Chaos aufzuhalten und zwar ein Reboot, einen kompletten Neustart der Digiwelt. Gleichzeitig werden dabei allerdings ebenfalls sämtliche Digimon zurückgesetzt und würden somit ihre Erinnerungen an die gemeinsamen Abenteuer mit den Digirittern für immer verlieren. Die Digimon müssen sich also entscheiden, ob sie ihre Erinnerungen opfern oder als bösartige Digimon enden wollen. Kurze Zeit später erscheint hier auch die Regierungsagentin Himekawa, die den Digimon gegenüber zugibt, dass ein vollständiger Reboot der Digiwelt möglich wäre, doch dies sei definitiv der letzte Ausweg, sollten alle anderen Pläne scheitern. Die Digimon entscheiden sich, einen letzten schönen Tag mit ihren Freunden zu verbringen, bevor der Reboot aktiviert wird. Die darauffolgende Montage mit den Digimon und ihren jeweiligen Partnern, die noch einmal ihre gemeinsame Zeit miteinander genießen, ist wirklich toll gelungen: Die feinen Zeichnungen und Animationen sowie die schöne Musik passen in diesen Momenten wunderbar zueinander und sorgen für den einen oder anderen Gänsehaut-Moment. Generell greifen die einzelnen Bestandteile des Films die meiste Zeit über wirklich sehr gut ineinander; nicht nur handwerklich, sondern ebenso dramaturgisch. Es ist toll, dass sich Toei dazu entschied, die Laufzeit dieses Films im Vergleich zu den beiden Vorgänger zu erhöhen. So entsteht ein guter Spannungsbogen, der in einem letzten, finalen Gefecht mündet, in welchem Meicoomon erneut erscheint, um gegen die restlichen Digimon zu kämpfen. Als hierbei die Digimon nach und nach von der Infektion überwältigt werden und sich am Ende gegen Tentomon wenden, das sich als letztes noch gegen die Wirkung des „Virus“ wehren kann, dann geht einem als Digimon-Fan wirklich das Herz auf und wie weiter oben bereits angekündigt, gibt es endlich auch ein paar Antworten.

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Meiko verzweifelt

So wird nun enthüllt, dass Meicoomon der Ursprung der Infektion ist. Meiko hat erste Anzeichen dafür bereits früher bemerkt, doch ähnlich wie T.K. brachte sie es nicht übers Herz, mit jemandem darüber zu sprechen. Nach dem Erscheinen einer Person, die der Digimon Kaiser zu sein schien, versuchten die Digiritter, Ken zu erreichen, doch diesen konnten sie nicht ausfindig machen. Wie sich herausstellt, weiß die Regierung von den verschwundenen Menschen und dies scheint ein Problem zu sein, welches sich nicht nur auf Japan beschränkt, sondern global auftritt. Himekawa und ihr Partner verschweigen dies jedoch den übrigen Digirittern. Apropos Digimon Kaiser: Die Identität des neuen Kaisers wird enthüllt und mit diesem schockierenden Cliffhanger schließt leider auch diese Episode. Der neue Digimon Kaiser ist ein Fake, eine Tarnung, die von Gennai genutzt wird, oder zumindest von einem Gennai, denn wie in Adventure 02 herauskam, teilte sich der originale Gennai in viele jüngere Versionen seiner selbst auf. Doch leider gibt es ebenfalls neue Fragen.

…und noch mehr Fragen

Gefühlt kommen, in guter alter Digimon-Tradition, auf jede beantwortete Frage mindestens zwei neue, damit man auch ja nicht vergisst, sich auch weiterhin schön fleißig seinen Schädel zu zermartern, wie letztendlich alles zusammenhängen könnte. Kari spielt wieder einmal eine entscheidende Rolle und enthüllt den Digimon, welch ein Schicksal allen Welten droht, sollte sich die Infektion weiter ausbreiten. Die ersten Fragen, die sich hier aufdrängen sind, wer ist dieser vermeintliche „Gott“ der Digiwelt und warum meldet er sich ausgerechnet jetzt zu Wort? Bis jetzt wussten wir, dass es im Adventure-Universum vier heilige Mega-Level-Digimon gibt, die jeder einen Teil der Digiwelt bewachen; handelt es sich bei einem dieser Digimon um diesen Gott oder gibt es womöglich noch ein Digimon, oder gar ein anderes Wesen, welches über diesen steht? Eine weitere Frage wäre, wie viele Welten gibt es innerhalb dieses Universums noch? Wir wissen von der realen Welt, der Digiwelt und dem Meer der Dunkelheit, doch gibt es womöglich noch mehr Welten, die parallel zu diesen dreien existieren und falls ja, werden die Digiritter in den kommenden Filmen auch diese Welten besuchen? Etwas weiter oben habe ich ja bereits geschrieben, dass sich die Gruppe endlich auf die Suche nach Ken gemacht hat, diesen jedoch nicht finden konnte. Doch warum suchen sie nur nach Ken? Sicherlich hatte ihn zu finden in dem Moment Priorität, schließlich konnten sie nicht ausschließen, dass die Macht der Dunkelheit erneut Besitz von ihm ergriffen hat, doch warum verschwenden sie nicht mal einen Gedanken daran, auch nach Davis, Cody und Yolei zu suchen? Meinen sie etwa, sie und ihre Digimon wären im Kampf gegen Meicoomon keine Hilfe?

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Ist dies wirklich Gennai?

Doch die größte Frage ist natürlich: Wieso gibt sich ein Gennai als Digimon Kaiser aus? Wurde er womöglich von der Macht der Dunkelheit korrumpiert und versucht deshalb, die Digiwelt ins Chaos zu stürzen? Ist es womöglich gar der Gennai, der gegen die Meister der Dunkelheit kämpfte und von Piedmon einen Samen der Finsternis eingepflanzt bekam? Eine weitere Frage diesbezüglich wäre ebenfalls, warum gibt Gennai gegenüber Himekawa seine Identität preis? Arbeitet sie womöglich ebenfalls für die Macht der Dunkelheit? War sie vielleicht selbst einmal ein Digiritter und wurde, wie Ken, von der Finsternis verdorben? Wie ihr seht, gibt es tatsächlich noch jede Menge offene Fragen, die hoffentlich auch allesamt von Toei Animation in den noch kommenden drei Filmen beantwortet werden.

Außerdem haben sich auch ein paar kleine Logikfehler in diesen Film eingeschlichen, die leider ziemlich stark herausragen und sich gegen Ende des Films häufen. Nach dem großen Showdown beschließen die Digiritter, in die Digiwelt zu reisen, um ihre Freunde wiederzufinden. Nach anfänglichem Zögern schaffen sie es, das Tor zu öffnen, doch nicht ohne Hilfe Himekawas, die mit einem schwarzen D3-Digivice dabei hilft, das Tor zur Digiwelt zu öffnen. Die Digiritter fragen sich jedoch nicht, woher sie ein solches Digivice hat und ebenso wenig, was vielleicht die dringlichere Frage gewesen wäre, warum dieses Digivice schwarz ist. Sind ihnen ihre Erfahrungen mit Digimon Kaiser Ken, der eben ein solches Digivice nutzte, um Tais Agumon zu einer schwarzen Digitation zu zwingen, bereits entfallen? Hier werden nicht nur noch mehr Fragen aufgeworfen (Yippieh :D), nein, diese Entwicklungen beißen sich leider stark mit den vorherigen Ereignissen und werden hoffentlich zu einem späteren Zeitpunkt aufgeklärt.

Mein kleines Fazit

Auch wenn es sich in den letzten Absätzen vielleicht nicht so gelesen haben mag: Ich hatte, wie schon mit den ersten beiden Filmen, auch mit Digimon Adventure tri. – Kokuhaku eine wirklich tolle Zeit. Die Geschichte schreitet voran, die einzelnen Figuren entwickeln sich und endlich gibt es sogar ein paar Antworten. Dabei lebt der Film in meinen Augen, mehr noch als seine zwei Vorgänger, von den Emotionen; nicht nur denen zwischen den handelnden Charakteren, sondern ebenso von jenen, die man als Fan der Reihe über die Jahre zu eben diesen Figuren sowie ihren Abenteuern aufgebaut hat und mit ihnen verbindet. Ein Reboot mag als Plot Device nicht unbedingt innovativ sein, doch es war ein mutiger Schritt, den Toei Animation hier gewagt hat, und eröffnet spannende Möglichkeiten für den weiteren Verlauf der Handlung. Die neu aufgeworfenen Fragen sowie das eine oder andere Logikloch stoßen mittlerweile zwar etwas sauer auf, doch angesichts der Qualität des Films lassen sich diese Dinge verschmerzen und so bleibt die Vorfreude auf den nachfolgenden vierten Teil Soshitsu (deutsch: Verlust) sowie die Hoffnung, vielleicht in diesem ein paar zusätzliche Antworten zu bekommen 🙂

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