Re:Zero Starting Life in another World – Wenn aus Hoffnung Verzweiflung wird

Re:Zero gehört sicherlich zu den ganz großen Anime-Serien des Jahres 2016 und konnte in den vergangenen Monaten einen gewaltigen Hype um sich aufbauen. Ob es diesem auch wirklich gerecht werden kann, da scheinen sich die Geister zu scheiden.

Doch erst einmal von Anfang an: Im Zentrum der Geschichte steht der Teenager Subaru, der plötzlich aus seiner Welt herausgerissen wird, nur um sich wenige Augenblicke später in einer Fantasy-Welt wiederzufinden. Diese andere Welt wird von verschiedenen Wesen bewohnt; so trifft Subaru nicht nur auf normale Menschen, sondern ebenfalls auf Geister, Magier, Mensch-Tier-Hybride, Monster und auch eine Halbelfe. Die erste Frau, auf die er in dieser Welt trifft, stellt sich ihm als Satella vor und hilft ihm, sich gegen ein Gauner-Trio zur Wehr zu setzen. Als Dankeschön will Subaru ihr helfen, einen wichtigen Gegenstand zurückzuholen, der ihr kurz zuvor von einer Diebin gestohlen wurde. Sie finden tatsächlich den Ort, wo besagter Gegenstand versetzt werden soll, allerdings finden sie nicht nur die Diebin an diesem Ort ermordet vor, sondern auch sie selbst werden wenige Momente später umgebracht… doch Subaru scheint seit seiner Ankunft in dieser Welt über eine magische Fähigkeit zu verfügen: Wenn er stirbt, reist er in der Zeit zurück und erhält so eine zweite Chance, um die Dinge besser zu machen.

Über ein großes Abenteuer und den Leidensweg des Helden

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Subaru, der Held von Re:Zero

Wie Subaru, so wird man auch als Zuschauer vollkommen unvorbereitet in diese fremde Welt hineingeworfen und beginnt, diese gemeinsam mit ihm zu entdecken. Dabei trifft er nicht nur, öfter als ihm lieb ist, auf das oben bereits erwähnte Gauner-Trio, auch andere Figuren lernt Subaru auf seiner Reise kennen, doch nicht mit allen von ihnen kommt der Protagonist auf Anhieb zurecht. Die meist sympathischen oder zumindest interessanten Figuren sind einer der größten Pluspunkte der Serie und übten zumindest auf mich einen großen Reiz aus, das Abenteuer weiter zu verfolgen.

Die erste Subaru freundlich gesonnene Figur ist die oben erwähnte Satella, eine Halbelfe, welche, wie sich später herausstellen soll, eigentlich auf den Namen Emilia hört. Sie wird zur zentralen Figur für Subaru, der er dabei helfen will, ihre Ziele zu erreichen und dieser Mission ordnet er auf seiner Reise alles unter. Emilia wird als starke wie gütige Person eingeführt, die durchaus auf sich selbst aufpassen kann und dank der Hilfe ihres Geistes Pack ist sie in der Lage mächtige Magie wirken, mit der sie selbst physisch stärkeren Gegner gewachsen ist. Letztendlich ist es jedoch ihr gutes Herz, welches Subaru dazu veranlasst, ihr zu helfen. Sie ist die erste Frau, welche er in dieser Welt kennen lernt und sie ist es ebenso, die als erste nett zu ihm ist und seine Wunden versorgt. Subaru darf einige Zeit später sogar auf demselben Anwesen wie Emilia wohnen, wo er auf weitere Figuren trifft, die ihn auf seinem Abenteuer begleiten sollen; allen voran die beiden Hausmädchen Ram und Rem; Zwillingsschwestern, die für alle Arbeiten auf dem riesigen Anwesen zuständig sind. Subaru entschließt sich, als Hausdiener ebenfalls dort anzufangen und wird von den Schwestern nicht nur im Lesen und Schreiben unterrichtet, sondern bekommt von ihnen ebenso beigebracht, alle sonstigen Tätigkeiten im Haus ausführen zu können. Speziell Rem macht im Laufe der Geschichte eine wirklich schöne Entwicklung durch und wird so zu einer der sympathischsten Figuren in Re:Zero. Doch auch auf dem Anwesen scheint nicht alles zu Subarus Vorteil zu verlaufen, denn ihm trachtet jemand nach dem Leben und es gilt herauszufinden, wer es auf ihn abgesehen hat. In der zweiten Hälfte der Serie erscheint mit der Hexenkirche schließlich ein weiterer Gegner auf der Bildfläche, deren Mitglieder ein seltsames Interesse an Subaru zu haben scheinen.

Aus dieser Spanne an Fragen und Mysterien sowie dem interessanten, wenn auch wenig originellen, Ansatz mit Subarus Kräften, schöpft Re:Zero seine größte Energie. Man will wissen, was es mit all diesen Dingen auf sich hat, warum Subaru in diese Welt geholt wurde, warum er in der Zeit zurückreisen kann, warum ihm und den Personen, die er am Meisten liebt, permanent so schreckliche Dinge widerfahren. All dies lässt den Zuschauer weitergucken, was durch die herrlich fiesen Cliffhanger am Ende vieler Episoden noch verstärkt wird und einen somit bereits begierig auf die Fortsetzung des Abenteuers warten lässt. Dadurch ist Re:Zero über seinen gesamten Verlauf von 25 Episoden besonders eines: Unglaublich unterhaltsam. Man lernt mit Subaru diese Welt kennen und begleitet ihn auf einer Reise, an deren Ende er nicht mehr derselbe sein wird. Hierbei stechen besonders die positiven Momente heraus, denn man gönnt es Subaru, nach all dem Leid und dem Schmerz, die er durchleben musste, wenn ihm endlich auch mal etwas Gutes passiert. Dabei waren es jedoch speziell die grausamen Momente, welche die Serie für mich so spannend und ebenfalls so gut gemacht haben.

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Subaru leidet

Wie weiter oben bereits erwähnt, stirbt Subaru oft im Laufe seines Abenteuers. Es dauert zwar etwas, bis er versteht, was wirklich mit ihm zu passieren scheint, doch sobald er es endlich begreift, entwickelt sich seine Fähigkeit, nach seinem Tod in der Zeit zurückreisen zu können, immer mehr zu einem Fluch. Für all die anderen Menschen um ihn herum wird ebenfalls die Zeit zurückgesetzt, doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Subaru und seinen Freunden: Er behält seine Erinnerungen aus seinen vorherigen „Versuchen“, was ihn mit zunehmender Anzahl seiner „Neustarts“ mehr und mehr zu schaffen macht. Erschwerend für ihn kommt hinzu, dass er davon niemandem etwas erzählen darf, da sonst eine finstere Macht sein Herz umschließt und ihm so den Atem raubt. Mit der Zeit beginnt sein psychischer Verfall, bis er vollständig an seinen Erlebnisse zu zerbrechen droht. Und ich muss gestehen, ich habe wirklich selten eine so gute wie schmerzvolle Umsetzung der Auswirkungen von Zeitreisen gesehen, wie im Falle von Re:Zero. Subarus Leid und Verzweiflung werden dem Zuschauer auf eindringliche Art und Weise vor Augen geführt, sodass einen sein allmählicher psychischer Verfall wirklich berührt. Besonders hart trifft es einen in den Momenten, in denen Subaru einen Hoffnungsschimmer zu sehen beginnt, nur um kurz darauf umso grausamer zerschmettert zu werden. Re:Zero ist dann am stärksten, wenn die Hoffnung der Verzweiflung weichen muss.

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Subaru und Emilia

Doch all diese Momente, die schönen wie die grausamen, würden nur einen halb so großen Effekt haben, wenn nicht auch die audiovisuelle Umsetzung zu überzeugen wüsste. Mit White Fox wurde zum Glück ein Animationsstudio gefunden, welches bereits in der Vergangenheit mit hervorragender Arbeit, beispielsweise Steins; Gate, auf sich aufmerksam machen konnte. So verwundert es nicht, dass Re:Zero wirklich sehr gut aussieht und in den wichtigsten Momenten der Story besonders zu glänzen vermag. Die Zeichnungen sind herrlich farbenfroh und detailliert und auch die Animationen wissen über die gesamte Dauer der Serie zu überzeugen. Speziell die schön choreographierten, fein animierten Action-Sequenzen zaubern einem ein ums andere mal ein Lächeln ins Gesicht. Auffällig ist hierbei auch der Kontrast zwischen der knallig bunten Welt und den hoffnungslosen, brutalen Momenten, denn Subarus Tode sowie die Kämpfe der Serie werden mit einer schonungslosen Brutalität inszeniert. Zum Glück weiß die Serie ebenfalls auf auditiver Ebene zu überzeugen und glänzt mit einem tollen Soundtrack, fantastischen Sprechern sowie wirklich schönen Openings und Endings, die, zugunsten der Story, oft gestrichen wurden, um mehr Zeit zum erzählen der Geschichte zu haben. Doch leider leistet sich Re:Zero auch den einen oder anderen Fehltritt.

Ein langweiliger Bösewicht und dramaturgische Schnitzer

Weiter oben erwähnte ich bereits die Hexenkirche, die besonders in der zweiten Hälfte von Re:Zero eine größere Rolle spielt. Die Anhänger dieses Kults warten auf die Wiederauferstehung der Hexe Satella und Subaru scheint dabei eine besondere Rolle zu spielen. Die meisten Jünger der Hexe laufen dabei in dunklen Kutten sowie mit einem verschleiertem Gesicht herum und verbreiten Angst und Schrecken. Nicht nur Subaru hat im Verlauf der Serie unter ihnen zu leiden, auch seine Freunde werden zu Zielscheiben der Kirche. Besonders einer der Anführer des Kults, der Erzbischof Betelgeuse, ist an Subaru interessiert und sieht in ihm die Personifikation einer Todsünde: Des Stolzes. Auch der Geruch der Hexe, welchen Subaru verströmt, scheint für Betelgeuse ein eindeutiger Indikator dafür zu sein, dass Subaru von Satella besonders geliebt wird. Der Erzbischof foltert und tötet, alles im Namen seiner geliebten Hexe, und wird dabei als eine vollkommen geisteskranke Persönlichkeit präsentiert. Doch leider ist Betelgeuse nicht mehr als das: Ein Psychopath, der verrückt ist, weil er verrückt ist. Die Geschichte verlangt nicht mehr von ihm und so bleibt er, wie auch die restlichen Anhänger der Hexenkirche, ein jederzeit eindimensionaler Charakter.

Dragon Ball Super - Goku Black
Goku Black aus Dragon Ball Super

Wie man den Antagonisten einer Serie besser aufbaut, zeigte vergangenes Jahr beispielsweise Dragon Ball Super. Im Future Trunks-Arc wurde mit Goku Black ein Charakter eingeführt, der zwar aussieht wie Goku, doch sehr schnell wurde klar, dass er ein gänzlich anderes Wesen besitzt. Über mehrere Monate wurde mit Black ein Mysterium aufgebaut, welches selbst kurz vor dem großen Finale dieses Arc noch nicht vollständig aufgelöst wurde. Immer wieder streuten Akira Toriyama, Toyotarou und Toei Animation kleinere Hinweise ein, nur um die Zuschauer anschließend wieder an deren Platz im Puzzle zweifeln zu lassen. Mit Goku Black wurde so ein Charakter eingeführt, der eine wirkliche Bedrohung darstellt, der einen Plan verfolgt und obwohl er dabei oft dem Wahnsinn anheim zu fallen scheint, so lassen einen die kreativen Leute im Hintergrund doch nie vergessen, dass wir es hierbei mit einem richtigen Charakter zu tun haben; etwas, das ich mir auch bei Betelgeuse gewünscht hätte.

Natürlich ist es ärgerlich, wenn es keinen Gegenspieler gibt, den man wirklich ernst nehmen kann oder an den man sich auch nach langer Zeit noch erinnert, doch die wirklichen Probleme der Serie liegen deutlich tiefer. Und viele dieser Probleme haben direkt mit Subaru zu tun. Dieser entwickelt sich zwar gegen Ende mehr und mehr zu einem Charakter, mit dem man wirklich mitfiebern will, doch hierbei gibt es einige Momente, in denen er sich immer wieder atypisch verhält; so schwankt er auf seiner Reise oftmals zwischen, Pardon, Arschloch und Vollpfosten. Er besitzt zwar die Fähigkeit, seine Erinnerungen eines jeden „Versuches“ zu behalten, doch das so angesammelte Wissen benutzt er leider nur äußerst selten; genauer gesagt nur dann, wenn die Geschichte es von ihm verlangt, was besonders dann auffällt, wenn er sich über mehrere Episoden wie ein unfähiger Pfuscher aufführt, nur um in der nächsten Folge mit einem überraschend komplexen Plan um die Ecke zu kommen und das Problem lösen kann. Dies passiert leider mehrfach und erschwert es einem somit, Subarus Entwicklung jederzeit ernst zu nehmen.

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Subaru ist ratlos

Auch die am Ende vielen offen gebliebenen Fragen stießen mir sauer auf. Wie kam Subaru in diese Welt? Wieso bekam er diese Kräfte? Wer gab ihm diese Kräfte? Was will die Hexe Satella von ihm? Wozu wurden Figuren eingeführt, wenn sie später keine Rolle mehr spielen? Wofür das alles? Wieso will Subaru nicht nach Hause zurück und wieso verliebt er sich in Emilia? Dies ist nur eine Auswahl an Fragen, die mir nach dem Finale von Re:Zero durch den Kopf schwirrten, doch Antworten darauf wird es vermutlich erstmal keine geben. Eines der größten Probleme ist somit, dass die Serie viel zu wenig erklärt. Zusammen mit Subaru wird man zwar in eine fremde Welt versetzt, doch es wird versäumt, diese aufzubauen und zu erweitern, wodurch ein gewaltiges Potenzial letztendlich schlicht und ergreifend ungenutzt bleibt.

Mein kleines Fazit:

Ich habe bis hierhin bereits viel geschrieben und hätte sicherlich noch sehr viel mehr schreiben können, doch so langsam sollte ich vermutlich zum Ende meines Textes kommen. Re:Zero Starting Life in another World ist eine spannende und jederzeit toll unterhaltende Serie, die jedoch vorgibt mehr zu sein, als sie in Wirklichkeit ist. Ich kann ein Stück weit verstehen, warum sich um diesen Anime ein solcher Hype entwickelte und auch ich hatte wirklich viel Spaß dabei, Subaru auf seinem Abenteuer zu begleiten, denn die Serie ist ein absolut kurzweiliges Vergnügen mit teils wunderschönen Bildern, einigen sympathischen Figuren sowie einem interessanten Ansatz. Allerdings halten dramaturgische Schwächen Re:Zero davon ab, sein ganzes Potenzial entfalten zu können.

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